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Baltzer, Franz: Die Kolonialbahnen mit besonderer Berücksichtigung Afrikas. Faksimile-Reprint Saarbrücken 2005 (Dumjahn-Nr. 0017974)
Dumjahn-Nr. 0017974

Ohne ISBN erschienen

Alfred v.d. Leyen:
»
Nach den besten, zum Teil amtlichen Quellen gibt der Verfasser eine eingehende Darstellung der Entstehung und der wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklung der deutschen Kolonialbahnen, und wir gewinnen einen tiefen Einblick in die musterhafte Tätigkeit des Reichskolonialamts auf verkehrspolitischem Gebiete, eine Tätigkeit, deren Früchte allerdings beim Ausbruch des Weltkrieges noch nicht geerntet worden waren.«

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Jenseits von Afrika

Baltzer, Franz: Die Kolonialbahnen mit besonderer Berücksichtigung Afrikas. Bibliophiler Verlag Fines Mundi : Saarbrücken 2005. - Zur Bibliographie.

In der Literatur fehlt es, wie der Verfasser in der Vorrede treffend bemerkt, »gänzlich an einem zusammenfassenden Werke, das über die Entwicklung und den heutigen Stand der Eisenbahnen in den afrikanischen Kolonien, über ihre wirtschaftlichen und technischen Verhältnisse übersichtlich Aufschluß gäbe«. Auf Anregung der Verlagsbuchhandlung hat er sich daher entschlossen, ein solches Werk, das »die Kolonialbahnen mit besonderer Berücksichtigung Afrikas« zusammenfassend behandelt, auszuarbeiten. Bei seiner langjährigen Tätigkeit im Kolonialamt und den reichen eigenen Erfahrungen in Afrika selbst war der Verfasser hierzu besonders berufen. In dem Geleitworte wird sein Buch ein »umfassender, mit dem denkwürdigen 1. August 1914 abschließender Geschäftsbericht, wenn man so sagen darf, über die Erschließung der Kolonialgebiete in Afrika« freudig willkommen geheißen und, meines Erachtens mit Recht, gebilligt, daß das vor Ausbruch des Krieges druckfertige und fast vollständig gesetzte Buch noch während des Krieges vollendet und herausgegeben worden ist, obgleich sich die politischen Verhältnisse in unseren Kolonien seitdem geändert haben und ihre Zukunft und die Zukunft der deutschen Kolonialpolitik eine noch ungewisse ist.

Das Buch beschäftigt sich in dem bei weitem größten Teil seines Umfangs mit den deutschen Kolonialbahnen in Afrika seit dem Jahre 1907/08, seit der ersten großen Eisenbahnvorlage des Staatssekretärs Dr. Dernburg. Diese Bahnen werden eingehend bei S. 101 geschildert, die Abschnitte IV und V (S. 286 bis 452, Bau, Betrieb und Verkehr der Kolonialbahnen) beschäftigen sich fast ausschließlich mit den deutsch-afrikanischen Bahnen. Die Bevorzugung, möchte ich sagen, der deutschen Bahnen zeigt sich auch äußerlich darin, daß die auf ihre Entstehung und Entwicklung bezüglichen Abschnitte mit größeren Buchstaben und reichlicherem Durchschuß gedruckt sind, als die übrigen Teile. Der Zweck des Buches ist, diesen Eindruck gewinnt der Leser unwillkürlich, denn wohl auch hauptsächlich eine Rechtfertigung und eine anerkennende Würdigung der deutschen Eisenbahnpolitik in unseren Kolonien.

Der Verfasser ist zwar bemüht, seinem Werk einen weiteren allgemeinen Hintergrund zu geben, indem er von Kolonialbahnen überhaupt spricht und zuvörderst die besonderen unterscheidenden Merkmale solcher Bahnen festzustellen bemüht ist. Diese, so sagt er in der Einleitung, »d. h. die ersten Eisenbahnen in Neuländern, die wirtschaftlich noch wenig entwickelt sind, unterscheiden sich von den gewöhnlichen Eisenbahnen in alten Kulturländern dadurch, daß sie vorzugsweise den Zweck haben, wirtschaftliches Leben und Verkehr in dem neuen Lande zu schaffen, während jene, indem sie sich dem bestehenden Wirtschaftsleben einfügen, einem vorhandenen Verkehr dienen und ihn verbessern sollen.«

Deswegen dürfe man an die finanziellen Erträge der Kolonialbahnen auch keine allzu hohen Ansprüche machen, die sogenannte mittelbare Rentabilität sei die Hauptsache. Aber ist das in der Tat eine besondere Eigenschaft der Kolonialbahnen, haben nicht die Nebenbahnen, die nebenbahnähnlichen Kleinbahnen der alten Kulturländer genau dieselben Aufgaben, dienen sie nicht genau denselben Zwecken? Andererseits gibt der Verfasser selbst zu, daß der Begriff Kolonialbahnen ein durchaus »flüssiger« ist. Zu ihnen gehören durchaus nicht alle Bahnen, die in den Kolonien liegen, diese können vielmehr ihren Charakter ändern und zu gewöhnlichen Bahnen werden. Zu den Nichtmehr-Kolonialbahnen rechnet der Verfasser zum Beispiel die indischen, die australischen, die kanadischen Eisenbahnen, die alle in englischen Kolonien liegen.

Darin wird man ihm recht geben; aber dann lassen sich auch kaum stichhaltige Gründe dafür anführen, die englisch-südafrikanischen, die ägyptischen, die algerischen Bahnen als Kolonialbahnen zu betrachten. Die wirtschaftlichen Verhältnisse, die Entwicklung dieser Bahnen sind doch genau dieselben, wie die der indischen, australischen, kanadischen. Andererseits ist doch wohl daran festzuhalten, daß die Bahnen in Kolonien liegen, und deswegen sind die Bahnen der Vereinigten Staaten von Amerika doch gewiß keine Kolonialbahnen, sie sind nie Kolonialbahnen gewesen; denn als in den Vereinigten Staaten Eisenbahnen gebaut wurden (seit etwa 1830) ,waren sie längst keine britischen Kolonien mehr (S. 16) , und die nordamerikanischen Überlandbahnen sind doch von Anfang an in dem Gebiete der Vereinigten Staaten, nicht in einer Kolonie gebaut worden (S. 18). Hier verwechselt der Verfasser Kolonialbahnen mit Bahnen, die kolonisatorische Zwecke verfolgen.

Wollte man jede Bahn mit solchen Zwecken eine Kolonialbahn nennen, dann gäbe es auf der ganzen Welt nur sehr wenige Bahnen, die nicht Kolonialbahnen sind.

Auch von den in Kolonien gelegenen Bahnen sind heute die wenigsten noch Kolonialbahnen im Sinne des Verfassers. Vielleicht wäre es, um den Stoff des Buches richtig zu umgrenzen, besser gewesen, einen anderen Titel zu wählen und etwa zu sagen: Die Eisenbahnen in den afrikanischen Kolonien des Deutschen Reichs und der anderen europäischen Staaten. Der kurze Anhang (S. 272 bis 285) könnte im Vorwort erwähnt werden.

Ungeachtet dieser - mehr äußerlichen - Bedenken kann ich das vorliegende Buch nur als ein verdienstvolles bezeichnen. Nach den besten, zum Teil amtlichen Quellen gibt der Verfasser eine eingehende Darstellung der Entstehung und der wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklung der deutschen Kolonialbahnen, und wir gewinnen einen tiefen Einblick in die musterhafte Tätigkeit des Reichskolonialamts auf verkehrspolitischem Gebiete, eine Tätigkeit, deren Früchte allerdings beim Ausbruch des Weltkrieges noch nicht geerntet worden waren. Aus den Abschnitten IV und V ersehen wir, daß für die Einrichtungen des Baues, des Betriebes und des Verkehrs auf den Kolonialbahnen die des Deutschen Reichs vorbildlich gewesen sind, selbstverständlich unter Berücksichtigung der großen Verschiedenheiten der tatsächlichen Verhältnisse.

Die Darstellung gewinnt an Anschaulichkeit durch die vielen Bilder und Karten, auch hat der Verfasser den statistischen Tabellen mehrfach bildliche Darstellungen beigegeben. Die Vergleiche, die dabei mehrfach mit den heimischen Verhältnissen über Betrieb (z. B. Fahrgeschwindigkeit) , Verkehr, Tarife, Finanzverhältnisse u. dgl. angestellt werden, haben allerdings nur recht bedingten Wert; die Objekte sind nicht vergleichsfähig.

Sehr beachtenswert und lehrreich sind dagegen seine Ausführungen über die Spurweite, S. 318 ff., die Grunderwerbskosten in den Kolonien, S. 324 ff., die Arbeitsverhältnisse daselbst, S. 324 ff., sowie über die Verträge mit den Unternehmern. Das Buch ist überhaupt, soweit es die deutschen Kolonien behandelt, ein treffliches Quellenwerk, das seine Dienste hauptsächlich dann tun wird, wenn wir in der Lage sind, den Eisenbahnbau in unseren Kolonien wieder fortzusetzen.

Es wäre sehr dankenswert gewesen, wenn der Verfasser die, wenn man so sagen darf, Kolonialverkehrspolitik auch vor dem Eintritt des Staatssekretärs Dernburg wenigstens in ihren Umrissen einleitungsweise dargestellt hätte. Diese Politik ist ja eine sehr schwankende, durch alle mögliche Einflüsse bestimmte gewesen; sie leidet vielfach stark unter den herrschenden jedesmaligen politischen und wirtschaftlichen Strömungen und hat fast nur negative Erfolge erzielt. Aber meiner Meinung nach hätte man doch aus einer streng sachlichen Darstellung auch dieser Vorgänge mancherlei auch für die Beurteilung der neuen Eisenbahnpolitik lernen können.

Über die anderen Abschnitte des Buches kann ich mich kürzer fassen. Sie enthalten Darstellungen der englischen Bahnen in Ägypten, Britisch-Süd-, Ost-, Zentral- und Westafrika, die Kap-Kairo-Bahn und Mauritius, der französischen Bahnen in Algier, Tunis, Marokko, französisch-Westafrika, Äquatorialafrika, französisch-Somalia und Abessinien, von der Transsaharabahn und den Bahnen auf den Inseln Madagaskar und Reunion, von den Bahnen in der belgischen Kongokolonie, in den portugiesischen Kolonien, den italienischen Kolonien, Spanien (Marokko) und der Republik Liberia.

Von außerafrikanischen Bahnen werden im Anhang (S. 272-285) kurz die Eisenbahnen in Französisch-Indien, in Indochina, in Neukaledonien, in Niederländisch-Indien (Java und Sumatra) und die Schantung-Eisenbahn behandelt. Vielleicht wäre der Vollständigkeit wegen auch über die Eisenbahnen auf den Philippinen etwas zu sagen gewesen.

Auch in diesen Abschnitten hat der Verfasser mit Sorgfalt aus zum Teil recht entlegenen Quellen alles zusammengestellt, was wir über diese Bahnen wissen. Das auch von mir nicht sehr hoch eingeschätzte Werk von Schander (über die Eisenbahnpolitik Frankreichs in Nordafrika) ist ihm bekannt (vgl. S. 183, Anm. 1), ob und wieweit er es bei seinen Ausführungen S. 179 ff. mit benutzt hat, ist nicht ersichtlich. Das treffliche Werk von Lederer, die Entwicklung der südafrikanischen Union auf verkehrspolitischer Grundlage (1910) betreffend, in dem sehr ausführlich und sehr anziehend die geschichtlichen Vorgänge im Zusammenhang dargestellt sind, mit denen der Verfasser sich S. 134 ff. etwas trocken und nüchtern und ohne tieferes Eingehen in viele hochinteressante wirtschaftliche Fragen beschäftigt, wird zwar in einer Anmerkung erwähnt, aber meines Erachtens nicht genügend ausgebeutet.

Auch seine Darstellung der Eisenbahnen in Java und Sumatra würde gewonnen haben, wenn er die schönen Aufsätze von Snethlage, einem genauen Kenner der dortigen Zustände, die im Archiv für Eisenbahnwesen 15 (1892), S. 277 ff. und S. 550 ff. veröffentlicht sind, eingesehen hätte.

Indes, das sind kleine »Ausstellungen«, die den Wert des Buches nicht beeinträchtigen sollen. Die Ausstattung kann besonders auch wegen der vielen, schönen, sorgfältig ausgeführten Abbildungen nur lobend anerkannt werden.

Alfred v.d. Leyen

Aus einer Rezension aus dem Erscheinungsjahr des Buchs, veröffentlicht im »Archiv für Eisenbahnwesen« 39 (1916) S. 1029-1033.

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