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Eisenbahn-Dumjahn online

 

Lohr, Hermann: Fahrkarten in Deutschland 1835-1970 (Dumjahn-Nr. 0017131)
Dumjahn-Nr. 0017131
ISBN-10: 3935961057
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Georg Beck:
»
... es fehlt dem Werk ein kritischer Geschichtsbezug, der ja durchaus auch bildlich vermittelt werden könnte. Die massenhafte Aneinanderreihung der bunten alten Fahrkarten wirkt rein antiquarisch motiviert, sie trägt nicht zum Verständnis der Gegenwart, der Eisenbahn 'hier und heute' bei. So verwundert es nicht, daß die Darstellung ohne nähere Begründung im Jahr 1970 endet. [...] Wer über diese Zusammenhänge jedoch hinwegsehen kann, der wird sicherlich gerne in Lohrs Prachtband blättern und sich am Reiz alter Fahrkarten erfreuen.«

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Eine besondere »Fahrkarte« aus dem Verlagsarchiv ...
Eine besondere »Fahrkarte« aus dem Verlagsarchiv, ein Dokument aus der Zeit um 1900. Im Buch gibt es leider keine Hinweise auf derartige Fahrkarten.

Mehr zu dieser Fahrkarte (und ähnlichen Fahrkarten) findet man aber bei Gottwaldt, Alfred: »Freifahrkarten nach Jerusalem«. Ein Mittel antisemitischer Propaganda. In: Deutsches Technikmuseum Berlin 27 (2011) Nr. 2, S. 30-31.

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Fahrkarten - seitenweise


Lohr, Hermann: Fahrkarten in Deutschland 1835-1970. Barteld Redaktion & Verlag : Berga/Elster 2004.
- Zur Bibliographie.

Von einem Briefmarkensammler habe ich mir einmal sagen lassen, daß die Zukunftsfähigkeit eines Staates in umgekehrt proportionalem Verhältnis zur Größe seiner Briefmarken stehe. Ob diese Behauptung zutreffend ist, sei dahingestellt, aber eine ähnliche These läßt sich auch über Fahrkarten aufstellen: Als die Eisenbahn noch Zukunft hatte, fuhr man mit den bekannten Edmondsonschen Pappkärtchen, als dieses Verkehrsmittel in seinem Fortbestand schon ernstlich gefährdet schien, kamen die mindestens viermal so großen ersten Computerfahrausweise, und kurz ehe die Bahn von der Konkurrenz in der Luft ununterscheidbar wurde, verdoppelte sie das Format ihrer Fahrscheine nochmals, das nun zufälligerweise exakt demjenigen von Flugtickets entspricht.

Was hat es aber zu bedeuten, wenn man, in Gedanken versunken durch den Hauptbahnhof schlendernd, plötzlich eine geradezu riesenhafte Fahrkarte erblickt, jedoch eine ganz altmodisch gestaltete Pappkarte, im unverwechselbaren bräunlichen Edmondson-Design? Besinnt sich die Bahn etwa kurz vor ihrem endgültigen Untergang auf ihre Wurzeln? Nein, wohl nicht; man befindet sich nämlich gar nicht in der Schalterhalle (bzw. im Reisezentrum), sondern in der Bahnhofsbuchhandlung, und die »Fahrkarte« erweist sich bei näherem Hinsehen als der geschickt gestaltete Einband eines Buchs. Der aufgedruckte Zielbahnhof lautet Fahrkarten in Deutschland. Wo es eigentlich »Für alle Züge« heißen müßte, steht der Autorenname Hermann Lohr. Der Preis der Fahrkarte beträgt 39,80 Euro, und die Seriennummer hat merkwürdig viele Ziffern – es muß sich um die ISBN handeln. Zweifellos ein geglückter Effekthascher!

Schlägt man das Buch auf, so vergißt man ob der über 700 abgebildeten Fahrkarten rasch alle düsteren Spekulationen über den Niedergang der Bahn: Die Fahrkarten sind durchgehend farbig, in Originalgröße und tadelloser Druckqualität wiedergegeben sowie schwarz hinterlegt, so daß die bunte Farbenvielfalt noch besser zur Geltung kommt.

Ungefähr zwei Drittel des Buchumfangs nehmen Abbildungen von Originalfahrkarten, wohl aus der Sammlung des Autors, sowie der erläuternde Text ein. Die Auswahl reicht von einer 1837 ausgegebenen Fahrkarte der ersten deutschen Fernbahn Leipzig – Dresden über die noch recht uneinheitlich gestalteten Zettelfahrscheine verschiedener Eisenbahngesellschaften aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sowie die ersten Edmondsonschen Pappfahrkarten bis hin zu den Papp- und Papierfahrkarten der »Länderbahnen«, der Reichsbahn und der Bundesbahn. Besonderheiten wie Fahrscheinhefte, Zeitkarten, Netzkarten oder Bahnsteigkarten kommen nicht zu kurz. Ein eigenes Kapitel befaßt sich mit den »Karten für freie Fahrt«, etwa für Eisenbahnbedienstete oder Reichstagsabgeordnete. Geographisch liegt der Schwerpunkt im sächsisch-thüringischen Raum, jedoch sind auch alle anderen Regionen Deutschlands angemessen vertreten.

Im letzten Drittel sind Stücke aus den Fahrkarten-Mustersammlungen der deutschen Eisenbahnen von 1900 bis in die 1950er Jahre abgebildet. Zusätzliche Tabellen geben einen Überblick über sämtliche Farbvarianten. Hier sind die Erläuterungen allerdings etwas knapp gehalten, der Verwendungszweck der einzelnen Fahrkartenmuster ist nicht immer klar erkennbar. Fotos von Fahrkartenschaltern und Fahrkartendruckmaschinen sowie Werbeanzeigen von Fahrkartendruckereien und Herstellern von Schalterdruckern runden die bildliche Darstellung ab und verdeutlichen den Entstehungsprozess einer Edmondsonschen Fahrkarte.

Gegenüber den Abbildungen kommt dem Text eher eine ergänzende, kommentierende Funktion zu. Vielfach werden Auszüge aus zeitgenössischen Publikationen und Dokumenten wiedergegeben, was durchaus sinnvoll erscheint. Allerdings hätten die Zitate einheitlicher, teilweise auch deutlicher vom Verfassertext abgehoben und mit einer Quellenangabe versehen werden sollen. Ferner wäre zu beanstanden, daß die Gliederung des Buchs und der Wortlaut der Überschriften nicht exakt mit dem Inhaltsverzeichnis übereinstimmen. Zudem fragt man sich, ob die in letzter Zeit ohnehin überstrapazierte Zeile »Auferstanden aus Ruinen« der DDR-Nationalhymne unbedingt dem Abschnitt über Fahrkarten nach 1945 hätte vorangestellt werden müssen. Doch fallen diese kleineren, überwiegend formalen Mängel nicht besonders ins Gewicht; im Ganzen kann das Werk jedenfalls aufgrund seiner ästhetischen Qualitäten als gelungen bezeichnet werden.

Leser, die sich dem Anspruch der SCHIENE verpflichtet fühlen, dürfte das Buch aber dennoch nicht ganz befriedigen. Denn es fehlt dem Werk ein kritischer Geschichtsbezug, der ja durchaus auch bildlich vermittelt werden könnte. Die massenhafte Aneinanderreihung der bunten alten Fahrkarten wirkt rein antiquarisch motiviert, sie trägt nicht zum Verständnis der Gegenwart, der Eisenbahn »hier und heute« bei. So verwundert es nicht, daß die Darstellung ohne nähere Begründung im Jahr 1970 endet. (Gibt es das bei einem Briefmarkenkatalog?)

Die seitherige Entwicklung der Fahrkarte ist anscheinend nicht der Betrachtung wert. Liegt es daran, daß sie sich nicht mehr in einer heilen Eisenbahnwelt abspielte? Dabei hätte sich gerade am Kulturphänomen »Fahrkarte« beispielhaft zeigen lassen, warum die Bahn bis in die achtzigerjahre als hoffnungslos antiquiert galt und wie sie in den letzten eineinhalb Jahrzehnten versuchte, durch einen sich selbst verleugnenden Modernisierungskurs dieses Image wieder abzuschütteln. Wer über diese Zusammenhänge jedoch hinwegsehen kann, der wird sicherlich gerne in Lohrs Prachtband blättern und sich am Reiz alter Fahrkarten erfreuen.

Georg Beck

Aus SCHIENE 23 (2004) Nr. 6, S. 53-54 - mit freundlicher Genehmigung des Joachim Seyferth Verlages.

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