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Kopper, Christopher: Die Bahn im Wirtschaftswunder. Deutsche Bundesbahn und Verkehrspolitik in der Nachkriegsgesellschaft. Frankfurt / New York 2007 (Dumjahn-Nr. 0017963)
Dumjahn-Nr. 0017963
ISBN-10: 3593383284
ISBN-13: 
9783593383286
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Alfred Gottwaldt:
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Christopher Kopper analysiert in vorwiegend chronologisch geordneter Darstellung sehr gründlich und gut belegt die Zeiten zwischen der Gründung der Bundesbahn im Jahre 1949 und dem »Leber-Plan« von 1966. Man wird vielleicht nicht immer seiner Position beitreten wollen, wonach die Marktwirtschaft so ziemlich alles besser kann als eine ordentliche Verwaltung, aber es lassen sich doch viele der gründlich dargelegten Punkte als neu und bemerkenswert betrachten

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Die Bahn im Wirtschaftswunder

Kopper, Christopher: Die Bahn im Wirtschaftswunder. Deutsche Bundesbahn und Verkehrspolitik in der Nachkriegsgesellschaft. Campus Verlag : Frankfurt / New York 2007. - Zur Bibliographie.

Die frühe »Bundesbahnzeit« vor fünfzig bis sechzig Jahren ist immer wieder Gegenstand nostalgischer Verklärung. Man erinnert sich an Fahrzeuge wie die rote Diesellok V 200 oder den kleinen Schienenbus, zumal diese beiden Typen auch das Spannungsfeld der DB seit 1949 aufzeigen: Wiederaufbau und Modernisierung einerseits, Nebenbahn-Stillegungen und ein überhöhter Personalbestand andererseits. Bislang galt als bestes Buch zum Thema die Quellensammlung von Horst Weigelt und Ulrich Langner, welche freilich weitgehend auf eine politische Analyse der Vorgänge im Bundesverkehrsministerium verzichtet.

Es war also lange überfällig, daß ein anspruchsvoller Wirtschaftshistoriker sich der Aufgabe annahm, die Wechselbeziehungen zwischen dem »Verkehrsunternehmen« DB und der Politik während der Nachkriegszeit zu beschreiben. Nun hat Christopher Kopper sie im Jahre 2005 zum Gegenstand seiner Bielefelder Habilitationsschrift gemacht. Die Deutsche Bahn und Hartmut Mehdorn haben sodann den Druck des Buches gefördert, ohne Einfluß auf die Inhalte zu nehmen.

Der Definition des Titels mit »Wirtschaftswunder« und »Nachkriegszeit« entsprechend, beschränkt sich die Darstellung auf die Zeit zwischen 1949 und 1968. Das war die Epoche des Bundesverkehrsministers Hans-Christoph Seebohm, der sein Amt 1966 an Georg Leber abgab. An der Spitze der Bundesbahn standen als ihre Ersten Präsidenten Edmund Frohne von 1952 bis 1957 und anschließend Heinz-Maria Oeftering bis 1972. Während dieser Zeit entzog die starke Konkurrenz des Straßenverkehrs der Bahn erhebliche Einnahmen, bis die Krise der DB um die Mitte der sechziger Jahre unübersehbar geworden war.

Die Gründe dafür sind vielfältig gewesen. Zunächst ist daran zu erinnern, daß die DB im Westen Deutschlands sehr lange danach trachtete, Aufgaben und Strukturen der staatlichen Reichsbahnverwaltung aus der Zeit nach 1937 zu bewahren. Der Bundesfinanzminister Fritz Schäffer hielt die Bahn kurz. Einzelne Regelungen des Bundesbahngesetzes machten es der DB schwer, unrentable Nebenstrecken oder Ausbesserungswerke zu schließen. Politisch bedingte Sondertarife, Beschaffungen und Einstellungen blieben auch bei der DB typisch für eine staatliche Verwaltung, welche Wachstum und Wirtschaftswunder stimulieren sollte. Nicht nur die Bahn empfing Subventionen für ihre Zwecke, sondern über ihr Defizit subventionierte sie große Teile des Wiederaufbaus. Gemeinwirtschaftliche Vorgaben erschwerten weithin markwirtschaftliche Entscheidungen des Bahnvorstandes. Erst allmählich wurden Infrastrukturinvestitionen wie Neubaustrecken und S-Bahn-Systeme auf den Weg gebracht, was zugleich die Verluste der DB vermehrte.

Der Band gliedert sich in 17 Kapitel. Die Darstellung eröffnet mit einem höchst lesenswerten Kapitel über »Entnazifizierung und personelle Kontinuitäten« bei der Bahn, wozu man sich fast ein eigenständiges Buch wünschte. Sodann analysiert Christopher Kopper in vorwiegend chronologisch geordneter Darstellung sehr gründlich und gut belegt die Zeiten zwischen der Gründung der Bundesbahn im Jahre 1949 und dem »Leber-Plan« von 1966. Man wird vielleicht nicht immer seiner Position beitreten wollen, wonach die Marktwirtschaft so ziemlich alles besser kann als eine ordentliche Verwaltung, aber es lassen sich doch viele der gründlich dargelegten Punkte als neu und bemerkenswert betrachten.

Kritikpunkte können sich weitgehend auf formale Anmerkungen beschränken: Die Aufgabe der »wissenschaftlichen Hilfsarbeiter« in der oberen Bahnverwaltung war nicht die Tätigkeit von Sachbearbeitern. Wie immer bei deutschen wissenschaftlichen Büchern, wurde auf Pläne, Diagramme und Bilder vollkommen verzichtet. Die Bibliographie ist eigenwillig gegliedert, ohne diese Ordnung im Inhaltsverzeichnis aufzuzeigen. Und schließlich hat der Verlag es zugelassen, daß ein so wichtiges Buch ohne das unverzichtbare Register erscheinen konnte.

Alfred Gottwaldt

© Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages.

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