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Eisenbahn-Dumjahn online

 

Hajt, Jörg: Eisenbahnmythos Rheintal. Königswinter 2003 (Dumjahn-Nr. 0016858)
Dumjahn-Nr. 0016858
ISBN-10: 3
898802388
ISBN-13: 
9783898802383

Joachim Seyferth:
»
Und noch eine Warnung an Autoren und Verleger: Um unsere Leser vor Wiederholungen zu schützen, wird das nächste Buch zum Thema – und es kommt bestimmt! – nur rezensiert, wenn es wirklich gut ist!

Der Autor
Jörg Hajt, geboren 1965 in Wattenscheid, ist als selbständiger Verlags- und Werbefotograf tätig. Seit frühester Kindheit gilt sein Interesse der Eisenbahn im In- und Ausland.

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Rhein: Links- und Rechtsverkehr


Hajt, Jörg
: Eisenbahnmythos Rheintal. Heel Verlag : Königswinter 2003. - Zur Bibliographie.

Nur schwer sind sie zu ertragen, die in den einschlägigen Hobby-Gazetten veröffentlichten immergleichen Postkartenbilder aus dem Mittelrheintal: Überall der Ochsenturm in Oberwesel mit irgendeiner gerade auf der Abschußliste stehenden Baureihe, überall die Ausfahrt aus dem Loreley-Tunnel oder der Zug mit dem gleichnamigen Felsen im Hintergrund, überall der Bahndamm in Wellmich und die darüber thronende Burg. Irgendwelche suspekten Foto-Reiseführer, fragwürdige Vorbilder im wahrsten Sinne des Wortes oder sonstigen Scheren im Kopf scheinen dazu zu führen, daß wir immer die gleichen Bilder sehen.

Analysiert man die Fotostandpunkte dieser visuellen Uniformität genauer, kommt eine weitere Ursache hinzu: All diese Stellen sind relativ einfach und schnell zu erreichen, was in der Praxis und Regel der knipsenden Pufferküsser leider heißt: Raus aus dem Auto (!), ein paar Schritte zum Bahndamm und hoch die Kamera – Hauptsache, die Lok und ein paar Wagen passen ohne störende Vegetation in den Sucher, dazu noch möglichst irgendeine Kirche oder Burg aus der Modellbahnidylle im Hintergrund und natürlich die Sonne im Rücken! Der Rheinblick aus irgendeinem versteckten Seitental, aus den engen Gassen der Weinstubendörfer oder von den felsigen Höhen ist dagegen nicht so oberflächlich zu haben und deshalb kaum zu finden. Na ja, man kennt und erleidet ja ständig diese Maximen unserer Zeit: Schnell, einfach und bequem!

Da klingt ein Bildband mit dem Titel »Eisenbahnmythos Rheintal« schon anders: Wer, mit dem ersten Frühzug angekommen, die langen Uferstraßen entlangläuft und rechter Hand die tuckernden Lastkähne inmitten wabernder Restnebel sowie linker Hand dunkle Berghänge mit polternden Güterachsen in sich aufsaugen darf, der weiß, daß die Mythen am Rhein nicht nur erfundene Verklärung sind. Sie sind tatsächlich fast immer dort: Nachts, wenn das breite Tal beiderseits von dunklen Zugschlangen durchzogen wird, tagsüber, wenn die billigen Lautsprecher kleiner Ausflugsdampfer sagenbewehrte Heimatlieder an die Felsen der Loreley schmettern. Und bei plötzlicher, seltener Stille im Rheintal sind die Mythen mit dem geheimnisvollen Gurgeln des großen Stroms zwar feinsinniger, aber umso eindringlicher.

All das wollen wir in einem Buch, das einen so erwartungsvollen Titel trägt, auch gezeigt bekommen. Doch ein erstes Durchblättern des großformatigen Bildbandes lässt alle Hoffnungen sinken: Wieder nur die üblichen Postkartenansichten, wieder nur blauer Himmel und Sonne pur, wieder nur viele bunte Züge schräg seitlich. Kein Dreilicht-Spitzensignal im aufsteigenden Nebel, keine einzige Nachtaufnahme, schon gar nicht ein neues Motiv. Blättern wir zurück. Das Inhaltsverzeichnis gibt drei Kapitel an: »Die Rheintalbahnen im Wandel der Zeit«, «Die linke Rheinstrecke in Farbe« und »Die rechte Rheinstrecke in Farbe«.

Klar, auf Farbe wird größter Wert gelegt, doch der Mythos muß dabei zwangsläufig auf der Strecke bleiben. Im historisch gefärbten ersten Kapitel kann man die Entstehungsgeschichte beider Strecken noch einmal nachlesen, gefolgt von einigen historischen und teilweise nachkolorierten Postkartenansichten sowie sechs bereits ebenso bekannten Bellingrodt-Fotos in Schwarzweiß. Danach kommt die Farborgie, brav sortiert gemäß einer Rheinreise von Mainz nach Köln und zurück über die »Rechte« nach Wiesbaden.

Und das sind rund hundert Seiten visuelle Deja-vu-Erlebnisse, denn fast alle Ansichten kennt man schon längst aus den einschlägigen Hobby-Gazetten oder anderen Büchern zum Thema. Wieder der Ochsenturm, der Bahndamm in Wellmich und die immergleichen Burgansichten. Dazu ein Farbdruck, der mit den allzu bunten Zügen wetteifert und dennoch oft ein wenig kalt und farblich verunglückt daherkommt. Viele »Fotostellen« scheinen schlecht kopiert aus anderen Büchern zum Thema abgeguckt; bei nur wenigen Aufnahmen wird mit dem Licht fotografisch etwas anspruchsvoller gearbeitet, ansonsten dominiert die sichere Sonne im Rücken.

Das Buch erfüllt so ziemlich alle Klischees berüchtigter und etablierter Eisenbahn»fotografie«, die in dieser Ballung schwer erträglich ist: Schräg seitlich, langweilig blauer Himmel, kunterbunte Züge und kein wirkliches Motiv. Engagierten und anspruchsvollen Fotografen und Betrachtern ist dieses Bilderbuch nicht zu empfehlen, wohl aber dem breiteren Publikum, das ein passendes Eisenbahn-Mitbringsel für Enkel und Neffen sucht.

Letzterer Zielgruppe dürfte der Erwerb beim Preis von 19,95 Euro nicht schwer fallen, wogegen sich andere diese Summe getrost sparen können – »Eisenbahnmythos Rheintal« wäre eher ein Reinfall. Und noch eine Warnung an Autoren und Verleger: Um unsere Leser vor Wiederholungen zu schützen, wird das nächste Buch zum Thema – und es kommt bestimmt! – nur rezensiert, wenn es wirklich gut ist!

Joachim Seyferth

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