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Hutter, Claus-Peter; Markert, Traugott u.a.: Das Bahnhasserbuch. Das Leben in vollen Zügen genießen (Knaur Taschenbücher, 77702). Originalausgabe München 2003 (Dumjahn-Nr. 0017065)
Dumjahn-Nr. 0017065
ISBN-10: 3426777029
ISBN-13: 
9783426777022

Joachim Seyferth:
»
Das Verdienst dieses Buches ist vor allem, neben den ohnehin informierten und engagierten Eisenbahnfreunden das neue und wichtige Käuferpotenzial der 'normalen' Bahnfahrer zu erschließen, die nach der oberflächlichen Lektüre der »DB mobil« hier in kurzweiliger Form Zusammenhänge der Eisenbahn-
Verkehrspolitik und ihre Alternativen erfahren
.«

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Dienstleistungswüste DB AG

Hutter, Claus-Peter; Markert, Traugott u.a.: Das Bahnhasserbuch. Das Leben in vollen Zügen genießen. Knaur Taschenbuch : München 2003
. - Zur Bibliographie.

»Das Leben in vollen Zügen genießen« – so lautet der Untertitel dieses Taschenbuches, das den gesammelten Frust und den Ärger über die Dienstleistungswüste Deutsche Bahn AG auf rund 200 launigen Seiten dokumentiert. Voll sind aber zumindest die Fernzüge der DB nur noch selten, denn der aktuelle durchschnittliche Auslastungsgrad beträgt gerade noch 40 Prozent – jedem Reisenden steht also die Bequemlichkeit von mehr als einem zusätzlichen Sitzplatz für das Hochlegen der Beine oder das Abstellen des Gepäcks zur Verfügung. Dafür darf man »die Bahn« doch nicht hassen, haben doch erst unternehmerische Fehlentscheidungen wie die Abschaffung des Interregios und die Höhe von Tarifen oder die dauergestörten Wackelzüge für diesen zunehmenden Komfort gesorgt. Schade nur, daß die DB sich ob ihres penetranten Zieles eines Börsengangs selbst diese übersichtlich besetzten Züge nicht mehr leisten mag – neuer Ärger scheint also doch programmiert.

Natürlich sind die Autoren dieses Buches mit dem ziemlich populistischen Titel – ein so genanntes »Posthasserbuch« soll in Kürze folgen – eigentlich Bahnfreunde und fahren viel mit ihrem trotz aller Widrigkeiten favorisierten Verkehrsmittel. Und da sie viele Reisen mit der Deutschen Bahn AG unternehmen, können sie der bekannten Redensart nach auch viel erzählen – von chronisch verspäteten Zügen und den dazugehörigen »Ausreden« der DB, von anonym-elektronischen und teuren Telefon-Fahrplanauskünften, die nur Bahnhof verstehen, von Pendlerfrust, Kundendienstabbau und Preis-Dschungeln, von kleinen und großen Pannen, von Stilllegungen und Börsenträumen. Der gerne auf alles mögliche schimpfende Durchschnittsbürger wird all dem ein wenig vorurteilsbeladen zustimmen, wir Eisenbahnfreunde hingegen wissen, daß einerseits vieles davon leider stimmt, andererseits aber das Bahnfahren vor allem dann entspannter und reibungsloser wird, wenn man sich ein wenig mit diesem Verkehrssystem beschäftigt. Das richtige Reisen mit der Bahn will eben wie das Kursbuchlesen erlernt sein und ist eher eine interaktive Tätigkeit – die Bereitschaft hierzu ist allerdings von der breiten Mehrheit der bequemen Autogesellschaft kaum noch zu erwarten.

Die versammelte Kritik an der Kundenpolitik der Deutschen Bahn AG ist in den meisten Fällen nachzuvollziehen, gleitet aber leider dann in populistische Meckerei ab, wenn beispielsweise die »Ausreden der Bahn« erörtert werden: Oberleitungsschäden, Personenunfälle, spielende Kinder auf den Gleisen oder verspätete Übernahmen aus dem Ausland sind nun wirklich keine »Ausreden«, sondern oft traurige Widrigkeiten, mit denen die Bahnen meist ohne eigene Schuld schon immer zu kämpfen hatten. Derartige Vorkommnisse sollten nicht durch infantile Anmerkungen der Autoren verballhornt werden, schlagen sie der DB so doch putzmunter weitere »Ausreden« wie zum Beispiel »Migräne des Speisewagenschaffners«, »Milbenaufstand im Teppichboden« oder gar »Stau am Kamener Kreuz« vor. Doch dies sind wohl die opportunistischen Zugeständnisse, die man an ein »Bahnhasserbuch« machen muß – sicher wollte der Verlag auch ein paar boulevardeske Emotionen, um bahngeschädigten Lesern ein weiteres Ventil für ihren Frust zu bieten.

Daß es durchaus Alternativen zur gegenwärtigen Verkehrs- und DB-Politik gibt – und dies nicht nur in der Theorie – wird lobenswerterweise in einigen Kapiteln dem »Elend« gegenübergestellt. Bundesweit werden modernisierte und reaktivierte Strecken mit enormen Kundenzuwachs vorgestellt, Rainer Engel vom Fahrgastverband Pro Bahn berichtet von der Arbeit und den Erfolgen dieser Organisation, Dr. Felix Berschin vom Verkehrsclub Deutschland wagt einen Blick in eine zukünftige »Schöne neue Bahn-Welt« mit verkehrspolitisch optimalen Rahmenbedingungen für die Schiene. Unter anderem ein (unbeantworteter) Fragenkatalog an Hartmut Mehdorn sowie ein Beschwerdevordruck an die DB (analog den alten Meldekarten im Betriebsdienst) runden das flüssig lesbare und auch ohne »BahnCard« sehr preiswerte Taschenbuch ab, das letztendlich trotz seines negativ klingenden Titels von konstruktiver und empfehlenswerter Natur ist.

Das Verdienst dieses Buches ist vor allem, neben den ohnehin informierten und engagierten Eisenbahnfreunden das neue und wichtige Käuferpotenzial der »normalen« Bahnfahrer zu erschließen, die nach der oberflächlichen Lektüre der »DB mobil« hier in kurzweiliger Form Zusammenhänge der Eisenbahn-Verkehrspolitik und ihre Alternativen erfahren. Was nach dem angekündigten »Posthasserbuch« nun aber wirklich schleunigst kommen muß, ist das »Autohasserbuch« – und hierbei erwarte ich nicht 200, sondern mindestens 1000 Seiten!

Joachim Seyferth

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