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Eisenbahn-Dumjahn online

 


Dumjahn-Nr. 0016979
ISBN-10: 
3882551798

Hans Wiegard:
»
Trotz der angeführten, angesichts des großen Informationsreichtums allerdings marginalen, Mängel kann das Buch »Die Anschlussbahn der Leuna-Werke« , dessen Kaufpreis demjenigen der EK-Baureihenbücher entspricht, allen Freunden der Eisenbahn empfohlen werden

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Ein wahres Meisterwerk

Winkler, Dirk: Kohlenstaublokomotiven der Deutschen Reichsbahn. Entwicklung, Technik und Einsatzgeschichte der Bauarten AEG, STUG und Wendler. EK-Verlag : Freiburg 2003. - Zur Bibliographie.

Werk- und Industrieanschlußbahnen atmen für denjenigen, der von ihrer Existenz weiß, und erst recht für denjenigen, der einen Blick hinter die Kulissen dieser Betriebe riskiert oder gar beabsichtigt, ihre Geschichte zu ergründen, fast stets den Hauch des Geheimnisumwitterten. Denn im Gegensatz zu den Eisenbahnen, die dem allgemeinen Verkehr dienen, spielt sich das Geschehen bei den Werk- und Anschlußbahnen weitgehend unter Ausschluß der Öffentlichkeit ab. Diese Bahnen verfügen in der Regel über eigene, mehr oder weniger große Gleisnetze, über separate Bahnanlagen und Bauten und nicht zuletzt über eigene, speziell auf die Bedürfnisse des Werkverkehrs zugeschnittene Lokomotiven und Wagen. All dies bleibt jedoch den neugierigen Blicken von Eisenbahnfreunden und erst recht dem Forschungsdrang von Technikfreaks und Historikern weitgehend verborgen – ausgenommen diejenigen Fälle, in denen ein Werkbahnzug auf die Gleise des öffentlichen Verkehr übergeht.

Mit Werk- und Industrieanschlußbahnen ist Deutschland reich gesegnet, aber größere Publikationen zu Technik und Geschichte dieser besonderen Eisenbahnen haben aus wohl verständlichen Gründen lange Zeit auf sich warten lassen. Inzwischen sind bei mehreren Verlagen Veröffentlichungen unterschiedlichen Umfangs zu dieser Thematik erschienen. Eisenbahnfreunde vermißten bisher jedoch schmerzlich ein Buch über die Werk- und Anschlußbahn der Leuna-Werke. Schmerzlich deshalb, weil diese regelspurige Eisenbahn sowohl zu den bedeutendsten als auch eisenbahn- und technikgeschichtlich interessantesten Werkbahnen nicht nur im mittteldeutschen Industriegebiet, sondern in ganz Deutschland gehörte und noch gehört.

Diese Lücke unter den verfügbaren Publikationen haben nun die Autoren Klaus Bossig und Peter Lange, als langjährige Werksangehörige (Peter Lange war bis zum Rentenalter Lokführer bei der Industrieanschlußbahn) und natürlich absolute Insider, geschlossen.

Mit ihrem großformatigen Buch, das in seiner Ausstattung an die bekannten EK-Baureihenbücher anknüpft und sich auf den ersten Blick lediglich in der Farbe des Einbands (Weiß statt Blau) von dieser Reihe unterscheidet, haben die beiden Verfasser ein umfangreiches Werk vorgelegt, das nur wenige Wünsche offen läßt.

Einem vom Geschäftsführer der Infra Leuna (einer in den 1990er Jahren im Zuge der Umstrukturierung der Leuna-Werke gebildeten Tochtergesellschaft), Andreas Hillermann, folgen drei einleitende Kapitel. Warum gleich drei wird derjenige Interessent, der das Buch zum erstenmal in die Hand nimmt, fragen.

Aber diese Dreiteilung ist durchaus berechtigt: Das Vorwort führt in die Thematik ein und berichtet von den Gründen der Entstehung des Buches, von den Umständen, unter denen das Manuskript verfaßt wurde, und von den aufwendigen und oftmals mühseligen Recherchen, die erforderlich waren, um ein Werk von größtmöglicher Aussagekraft zu schaffen.

Die Kapitel »Faszination Leuna« und »Besuch der Anschlußbahn Leuna« bieten einen kurzen Abriß der Geschichte der Leuna-Werke und versuchen, dem Leser wenigstens mit den Mitteln des geschriebenen Wortes einen Teil jener besonderen Atmosphäre zu vermitteln, die für die Leuna-Werkbahn charakteristisch ist und die eigentlich nur derjenige nachempfinden kann, der sie selbst erlebt hat.

An die zweifellos gelungenen Einleitungskapitel schließen sich elf weitere, aus Gründen der Übersichtlichkeit in Unterabschnitte gegliederte Kapitel an.

Beginnend mit der chronologischen Darstellung der Geschichte der Anschlußbahn, behandeln die Verfasser im folgenden die Betriebsstellen, das Streckennetz und die Brückenbauwerke.

Eigene Kapitel sind dem Werkstättenwesen ebenso wie den anderen, für einen reibungslosen Bahnbetrieb erforderlichen Einrichtungen und Anlagen gewidmet.

Das Kapitel »Die Fahrzeuge der Anschlußbahn« – übrigens das umfangreichste Kapitel innerhalb des gesamten Werkes – stellt alle Lokomotiv- und Wagentypen, die jemals zum Bestand der Leuna-Werkbahn gehörten, ausführlich vor. Informativ und kenntnisreich schildern die Verfasser die Entwicklung des Betriebsparks von den Fahrzeugen der Anfangsjahre bis hin zu den hochmodernen und für spezielle Einsatzzwecke vorgehaltenen Traktions- und Transportmitteln der unmittelbaren Gegenwart. Bemerkenswert: Die Autoren lassen nicht einen Lokomotivtyp, nicht eine Wagenbauart unberücksichtigt. Sogar Fahrzeugen, die nur als Einzelstücke vorhanden waren, daher den Status von Exoten genossen und von deren Existenz heute kaum mehr kündet als ein verblichenes Foto oder eine spärliche Notiz in den Bestandslisten des Werkes, haben die Verfasser Aufmerksamkeit gewidmet.

Ein weiteres Kapitel befaßt sich mit dem Instandsetzungsdienst. Der Leser erfährt hier, daß nicht nur die Reichsbahn – wie allgemein bekannt – Lokomotiven und Wagen der Werkbahn ausbesserte, sondern auch, daß die betriebseigenen Werkstätten der Leuna-Werke zum Teil recht umfangreiche Ausbesserungs- und sogar Umbauarbeiten ausführten.

Und – wie könnte es anders sein ? – schließlich berichten die Autoren über die Unfälle, von denen auch die Leuna-Anschlußbahn nicht verschont blieb.

Ein besonderes »Sahnehäubchen« und gleichzeitig den Schluß des eigentlichen Textteils bilden die Anekdoten und Anekdötchen, die sich um die Werkbahn des Chemiebetriebes ranken.

Eigentlich schon ein Anhang ist das Kapitel »Werkbahnfahrzeuge im Modell«. Mag dieses Kapitel demjenigen Eisenbahnfreund, dessen Interesse überwiegend oder gar ausschließlich dem Vorbild gilt, vielleicht überflüssig erscheinen, es hat dennoch seine Berechtigung. Denn der passionierte Modelleisenbahner erhält hier einen hervorragenden Überblick über diejenigen Lokomotiven und Wagen, deren Nachbildung in verkleinertem Maßstab sich renommierte und weniger bekannte Hersteller angenommen haben. Über das Thema »Leuna-Werkbahn« geht das Modellbahnkapitel allerdings weit hinaus; denn in den beigegebenen Listen lieferbarer Erzeugnisse sind auch die Modelle aufgeführt, welche die Hersteller als Nachbildungen der Fahrzeuge anderer Werk- und Anschlußbahnen anbieten.

Dem Textteil folgen ein ausführliches Abkürzungsverzeichnis und ein umfangreiches Verzeichnis des verwendeten Schrifttums – letzteres Beweis genug, welch großen Aufwand die Autoren in der Absicht getrieben haben, ein hochkarätiges Werk vorzulegen.

Insgesamt 25 Tabellen bilden den statistischen Teil des Buches. Auch dieser Teil überschreitet die eigentliche Thematik des Buches, denn die Tabellen 24 und 25 bieten einen Überblick über die vom Schienenfahrzeugbau der DDR für Industriebetriebe hergestellten Fahrzeuge bzw. über die für den Werkseinsatz aus dem Ausland bezogenen Lokomotiven.

Hier gilt, was schon über das Modellbahnkapitel gesagt wurde: Die beiden besonders erwähnten Tabellen sind scheinbar überflüssig. Dennoch erfolgte ihr Abdruck nach Ansicht des Rezensenten mit voller Berechtigung, denn sie bieten demjenigen Eisenbahnfreund, dessen spezielles Interesse den Werkbahnfahrzeugen gilt, erstmals eine nahezu vollständige Übersicht all der Neubaufahrzeuge, die nach 1945 bei den Werk- und Anschlußbahnen in Dienst gestellt wurden.

Besonders zu erwähnen ist noch die dem Buch beigelegte Übersichtskarte der Leuna-Werke im Maßstab 1 : 5000. Spiegelt sie auch den Stand des Jahres 1986 wider, wie aus dem Stempelaufdruck eindeutig hervorgeht, so ist doch ihre Veröffentlichung um so bemerkenswerter; denn derartige Karten unterlagen, solange die DDR existierte, strengster Geheimhaltung.

Mit beinahe 200 Abbildungen ist das vorliegende Buch überaus reich illustriert. Die Fotos, Gleispläne und Detailskizzen sind durchweg in guter bis sehr guter Qualität wiedergegeben. Farbige Abbildungen sucht der Leser im vorliegenden Buch indessen vergebens. Mit Ausnahme der beigelegten Faltkarte sind alle Fotos und Zeichnungen schwarzweiß. Insgesamt gereicht das dem Werk kaum zum Nachteil. Der Rezensent ist nämlich der Meinung: Besser ein gutes Schwarzweißfoto als ein mangelhaftes Farbfoto. Allerdings hätte sich der Verlag mit seiner Vorankündigung, die auch den Informationsblättern für Bibliotheken und Buchhändler zugrunde gelegt wurde, etwas zurückhalten sollen, statt vollmundig zu behaupten, der Band enthielte auch Abbildungen in Farbe.

Insgesamt verdient das Werk von Klaus Bossig und Peter Lange höchste Anerkennung. Mit einem flüchtigen Durchblättern ist es allerdings nicht getan. Der Band will aufmerksam und möglichst mehrmals gelesen werden, und ebenso verdienen die zum größten Teil erstmals veröffentlichten Bilder eine intensive Betrachtung. Erst dann wird sich nämlich dem Leser der große Informationsreichtum von Text und Fotos vollständig erschließen.

Einige kleine Schwächen des Buches sollen nicht unerwähnt bleiben. Manche Bildunterschriften sind nicht korrekt. So war z.B. die auf Seite 87 oben abgebildete Lok 21 keine preußische T 3, sondern eine Maschine des Typs »Bismarck neu«. Erst recht keine T 3 war die darunter abgebildete Lok 27. Hier handelte es sich um einen speziellen, von Henschel für Werkbahnen hergestellten und viel moderneren Dreikuppler. Bei den Wagenfotos ist ähnliches zu vermerken. Beispielsweise zeigt das Foto auf Seite 129 oben keineswegs einen Zkz-Wagen. Die Gattungsbezeichnung Zkz trugen nämlich bei Deutscher Reichsbahn und Werkbahnen die zweiachsigen Zementbehälterwagen, bevor sie nach Einführung der internationalen Bezeichnungsweise Anfang der 1970er Jahre die neue Bezeichnung Uc–v erhielten. Auf dem Bild ist aber eindeutig ein zehnachsiger Tiefladewagen (Gattung SSt) zu sehen. Möglicherweise ist das ursprünglich an dieser Stelle vorgesehene Foto gegen ein anderes ausgetauscht worden, ohne die Bildunterschrift entsprechend zu korrigieren?

Noch ein Hinweis, der an die Adresse des Verlages geht, scheint notwendig: Der Satz des Textes sollte bei künftigen Publikationen konsequent entweder in »alter« oder in »neuer« Orthographie erfolgen, nicht aber, wie im vorliegenden Fall, als Mischmasch beider Rechtschreibnormen.

Trotz der angeführten, angesichts des großen Informationsreichtums allerdings marginalen, Mängel kann das Buch »Die Anschlussbahn der Leuna-Werke« , dessen Kaufpreis demjenigen der EK-Baureihenbücher entspricht, allen Freunden der Eisenbahn empfohlen werden.

Hans Wiegard

© Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages.

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