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Fritze, Eduard: Die Eichsfelder Kanonenbahn 1880-1994 und der Bahnhof Küllstedt. 1. Aufl. Bad Langensalza 2003 (Dumjahn-Nr. 0016990)
Dumjahn-Nr. 0016990
ISBN-10: 
3936030057

Hans Wiegard:
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Immerhin: Das vorliegende Werk ist nach Ansicht des Rezensenten durchaus bemerkenswert, vermag es doch, dem Leser detaillierte Kenntnisse eines Teiles Thüringer und gesamtdeutscher Eisenbahngeschichte zu vermitteln. Ein Meisterwerk ist das Buch jedoch keinesfalls, auch wenn der Verlag es etwas zu selbstgefällig in seinen Informationsblättern für Bibliotheken und Buchhändler als solches anpreist

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Im Mittelpunkt: Der Mensch


Fritze, Eduard: Die Eichsfelder Kanonenbahn 1880-1994 und der Bahnhof Küllstedt. Verlag Rockstuhl : Bad Langensalza 2003. - Zur Bibliographie.

Seit langem taucht in großen und kleinen Veröffentlichungen zur deutschen Eisenbahngeschichte immer wieder der Begriff »Kanonenbahn« auf. Die als Kanonenbahn bezeichnete Eisenbahnverbindung trug diesen martialischen Namen zwar niemals offiziell; doch, vom Volksmund geprägt, völlig zu Recht. Denn bald nach Ende des deutsch-französischen Krieges im Jahre 1871 beschlossen die Militärstrategen des wilhelminischen Kaiserreichs, die deutsche Reichshauptstadt mit den »neuen Reichslanden« Elsaß-Lothringen durch eine neue Bahnstrecke auf kürzestem Wege miteinander zu verbinden.

Diese Eisenbahnlinie war vordergründig dafür gedacht, im Falle erneuter bewaffneter Auseinandersetzungen mit dem »Erzfeind« Frankreich Truppen und Kriegsmaterial so schnell wie möglich an die voraussichtlichen Schauplätze des Geschehens zu befördern.

1880 beginnend, wurde die strategisch wichtige Eisenbahnstrecke in mehreren Bauabschnitten errichtet. Der Bau der über 800 km langen Verbindung mit ihren vielen Brücken und Tunneln war zweifellos eine hohe ingenieurtechnische Leistung. Doch letztlich erfüllte die neue Strecke weder die Erwartungen ihrer Erbauer noch ihrer Nutzer völlig. Und bereits nach dem Ersten Weltkrieg zeichnete sich der Niedergang ab – einige Abschnitte der Bahn wurden stillgelegt.

Werden in der Gegenwart auch noch einige Teilstrecken der ehemaligen Direktverbindung Berlin – Metz für den Personen- und Güterverkehr genutzt, so zeugen mancherorts nur noch zugemauerte Tunnelöffnungen, verfallene Brückenbauwerke oder ins Nichts führende Gleise von ihrer einstigen Existenz.

Die Kanonenbahn und ihre Geschichte waren in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten ein besonderer Anziehungspunkt für Berufs- und Hobbyhistoriker. Es ist daher kaum verwunderlich, daß gerade über diese Bahn zahlreiche Publikationen erschienen sind. Dem Reigen einschlägiger Veröffentlichungen fügt nun Eduard Fritzes jüngst beim Verlag Harald Rockstuhl, Bad Langensalza, erschienenes Buch ein neues Glied hinzu.

Im Unterschied zu den Werken anderer Autoren, die entweder einen Überblick über Werden und Vergehen der Kanonenbahn als Ganzes bieten oder einzelne Teilstrecken der besonderen Betrachtung unterziehen, fast ausnahmslos aber die technischen Aspekte in den Mittelpunkt der Darstellung rücken, sind es bei Eduard Fritze die Menschen, deren Leben und Wirken untrennbar mit der Bahn verbunden war und denen die besondere Aufmerksamkeit des Verfassers gilt.

Natürlich geht der Autor auch auf die Geschichte der Kanonenbahn ein, und derjenige Leser, der Wert auf historische Fakten, Informationen über Besonderheiten der Betriebsführung und technische Details legt, sieht seine Erwartungen durchaus erfüllt. Aber insgesamt ist Eduard Fritzes Buch eine heimatgeschichtliche Darstellung, zumal sich der Verfasser im wesentlichen auf Ausführungen zum im Eichsfeld – der Gegend, in der er selbst wohnt – gelegenen Teilstück der Kanonenbahn beschränkt.

Doch diese Selbstbeschränkung ist wohldurchdacht. Erst dadurch wird es dem Autor möglich, sein Hauptanliegen zu verwirklichen – nämlich den Leser mit den Menschen bekannt zu machen, die bei der Bahn und in ihrem Einzugsbereich arbeiteten – vom Fahrdienstleiter bis zum Weichenwärter, vom Bahnhofsvorsteher bis zum Schrankenposten, vom Großhändler bis zum Gastwirt.

Ein weiteres Anliegen des Autors besteht darin, dem Leser die Geschichte des Bahnhofs Küllstedt – gleichsam repräsentativ für die an der Strecke gelegenen Bahnhöfe – nahezubringen. Daß Eduard Fritze ausgerechnet Küllstedt zum Gegenstand seiner Betrachtungen macht, liegt darin begründet, daß der Autor mehr als 25 Jahre in unmittelbarer Nähe des dortigen Bahnhofs wohnte und daher Örtlichkeiten und Historie selbst bestens kennt.

Zeittafeln, Tabellen und Faksimiles von Originaldokumenten ergänzen die gelungene, aus drei Hauptkapiteln bestehende und mit Erlebnisberichten und Anekdoten gewürzte Darstellung. Das Buch bleibt aber nicht bei der Darstellung von Geschichte und Gegenwart stehen. Rainer Schmalzl, Vorsitzender des Vereins Kanonenbahn e.V. in Lengenfeld unterm Stein, hat zu Eduard Fritzes Text ein Zusatzkapitel beigesteuert, das sich mit den möglichen Perspektiven des Anfang der 1990er Jahre stillgelegten Bahnabschnitts im Eichsfeld als touristische Attraktion befaßt.

Ein ausführliches Quellen- und Literaturverzeichnis bietet dem interessierten Leser die Möglichkeit zu eigenen Recherchen und vor allem zu Vergleichen mit den Darlegungen zur gleichen Thematik in anderen Publikationen.

Der Band ist reichhaltig mit Fotos ausgestattet. Die dargebotene Vielfalt an Aufnahmen aus Vergangenheit und Gegenwart ist beeindruckend; leider kann die Wiedergabe eines Teils der Fotografien heutigen Ansprüchen kaum genügen. Das gilt nicht nur für die Schwarzweiß-, sondern auch für die Farbfotos, die erstmals in größerer Anzahl in eine Veröffentlichung des Rockstuhl-Verlages Eingang fanden und in einem besonderen Farbteil zusammengefaßt sind.

Zum Farbteil gehören auch einige Zeichnungen. Davon sind solche wie die hervorragende Graphik von Peter König aus Aue, die einen von einer Lok der Baureihe 64 geführten Personenzug bei Lengenfeld unterm Stein zeigt, eine durchaus willkommene Bereicherung. Andere Farbzeichnungen sind dagegen schlichtweg fehl am Platze, insbesondere die recht simplen und beinahe kindlich wirkenden Zeichnungen von Lokomotiven und Wagen – erst recht, weil diese Abbildungen dem auch nur einigermaßen kundigen Eisenbahnfreund nichts Neues bieten.

Immerhin: Das vorliegende Werk ist nach Ansicht des Rezensenten durchaus bemerkenswert, vermag es doch, dem Leser detaillierte Kenntnisse eines Teiles Thüringer und gesamtdeutscher Eisenbahngeschichte zu vermitteln. Ein Meisterwerk ist das Buch jedoch keinesfalls, auch wenn der Verlag es etwas zu selbstgefällig in seinen Informationsblättern für Bibliotheken und Buchhändler als solches anpreist.

Wer sich weniger für Eisenbahntechnik, als vielmehr für Geschichte und insbesondere Regionalgeschichte interessiert und bereit ist, sich mit den erwähnten Gestaltungsmängeln abzufinden, mag Eduard Fritzes Buch erwerben. Ob aber der recht hohe Kaufpreis für das kleinformatige Werk gerechtfertigt ist, muß jeder letztlich selbst entscheiden.

Hans Wiegard

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