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Eisenbahn-Dumjahn online

 

Pool, Gerhardus: Eisenbahnen in Deutsch-Südwestafrika 1897-1915. 1. (deutsche) Aufl. Windhoek 2009 (Dumjahn-Nr. 0018091)
Dumjahn-Nr. 0018091
ISBN-10
:
3936858713
ISBN-13: 9783936858716
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Peter J. Flaskamp:
»Fazit: Ein rundum interessantes und empfehlenswertes Buch für alle Leser, deren Interesse für deutsche Eisenbahngeschichte nicht durch Landesgrenzen eingeschränkt wird.«

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Aufbau Südwest


Pool, Gerhardus: Eisenbahnen in Deutsch-Südwestafrika 1897-1915. Namibia Wissenschaftliche Gesellschaft : Windhoek 2009. - Zur Bibliographie.

Während die Mehrzahl der Bevölkerung mit dem Stichwort »Aufbau« den sogenannten »Aufbau Ost« assoziiert, wird in der Regel vergessen, daß es rund einhundert Jahre zuvor bereits einmal einen Aufbau gegeben hat – wenngleich dieser eine Kolonie in Afrika und nicht einen rund vierzig Jahre lang abgetrennten Teil des ehemaligen deutschen Staatsgebietes betraf.

Gewisse Parallelen bestehen aber durchaus: Hier wie dort mußten Verkehrswege errichtet beziehungsweise ausgebaut werden, wurde finanzielle Hilfe zur Entwicklung benötigt, hing der wirtschaftliche Aufschwung klar von der Entwicklung der Infrastruktur ab und leisteten manche Menschen Aufbauarbeit, die über die bloße Pflichterfüllung weit hinausging.

Der Herausgeber, Rolf-Reinhard Henke, hat eine Ende der 1970er Jahre von dem Historiker Gerhardus Pool in Afrikaans verfaßte Arbeit übersetzen lassen und damit erstmals einem größeren Leserkreis zugänglich gemacht. Die Arbeit richtet sich nicht primär an den Eisenbahn-Enthusiasten (d. h. Leser suchen etwa Herstellerlisten und technische Details vergeblich), sondern an alle, die sich für die Geschichte Namibias und dessen Entwicklung interessieren, bietet aber dennoch »genug Futter« für die Eisenbahnfreunde, deren Interesse nicht am Tender-Zughaken endet, zumal auch einige Berührungspunkte zu hiesigen Eisenbahnen (etwa zu Heeresfeldbahnen, der Eisenbahnbrigade und zu Geheimrat Lenz) bestehen.

Das Buch ist klar gegliedert und verständlich im Aufbau:

Einem Vorwort des Herausgebers (der nicht nur seine Motivation für die Erstellung der deutschen Ausgabe, sondern auch die besonderen Umstände der Entstehung darlegt), schließen sich Kapitel über den Grund des Bahnbaues, Konzessionen, Verzögerungen und den Entschluß zum Bau einer staatlichen Eisenbahn an. Streckenführung, Bau, Betriebsproblemen, staatlicher vs. privater Verwaltung, Bedeutung der Staatsbahn bis 1903, aber auch der Bedeutung der Staatsbahn während der Aufstände von 1903 bis 1907 sind weitere Kapitel gewidmet.

Die Staatsbahn unter Verwaltung der Lokalregierung, Beschluß zur Aufgabe des Schmalspurbetriebes und Ankauf der Otavibahn, Vorschläge zum Ausbau des Netzes im Schutzgebiet, das Umbauprojekt, der Betrieb während des Umbaues, das rollende Material der Breitspurbahn, Nebenstrecken und Verpflegung, der Staatsbahn im Ersten Weltkrieg beziehungsweise der historischen Bedeutung der Staatsbahn sind weitere Kapitel, der sich schließlich ein Gesamtquellenverzeichnis, ein Verzeichnis der Abbildungen und ein umfangreicher Index anschließen.

Das Werk zeigt eindrucksvoll die Bedeutung einer Eisenbahn für die Entwicklung einer Gesellschaft, quasi Eisenbahngeschichte im Zeitraffer:

Mit Ochsenkarren auf unbefestigten Wegen betrug die Wegezeit zwei bis sechs Wochen (wonach die Ochsen zwei bis drei Monate(!) Ruhe benötigten, ein Bier kostete infolgedessen etwa achtmal soviel wie in Deutschland, die Eisenbahn schaffte das an einem (langen) Tag ... Hinzu kam, daß aufgrund der Rinderpestepidemie 1897 der (Zug-) Ochsenbestand um bis zu 95 Prozent dezimiert wurde, woraufhin der Güterverkehr fast zusammenbrach und man dringend der Eisenbahn als Alternative bedurfte.

Für die deutsche Reichsregierung war der Bau dieser Bahn ein Mittel zum Zweck: Militärische Strategie, verbunden mit dem Wunsch nach wirtschaftlicher Stärkung der noch jungen Kolonie – nachdem private Gesellschaften aufgrund der zunächst zu erwartenden geringen Renditen kein Interesse am Bau zeigten. Die Richtigkeit dieser Überlegungen zeigte sich dann ja auch bei den Aufständen von 1903 bis 907 sowie beim Transkei-Aufstand 1910.

Interessant ist auch, daß die Bahn zunächst als 600 mm-spurige Bahn (also schmalspurig) erbaut und dann auf die (nach afrikanischer Terminologie) »Breitspur« von 1.067 mm umgebaut worden ist – wie überhaupt die Terminologie den Leser mitunter stutzen läßt, da sich durch die Übersetzung der ursprünglichen Schriftquellen aus der deutschen Sprache ins Afrikaans beziehungsweise der nunmehrigen Rückübersetzung mitunter kleine Besonderheiten ergeben (die den Informationsgewinn allerdings nicht negativ beeinträchtigen). Diese Umspurung erfolgte durch das »Bau- und Betriebskonsortium Bachstein-Koppel«, welches aus den drei (!) Unternehmen »Centralverwaltung für Secundärbahnen Hermann Bachstein«, »Orenstein und Koppel, Arthur Koppel AG« und der »Handelsgesellschaft Briske und Prohl«, alle ansässig in Berlin, bestand und wodurch wiederum eine Verbindung der militärisch motivierten Kolonialbahn zur (reichs-)deutschen Eisenbahn besteht. Überdies ist bemerkenswert, daß aufgrund weitsichtiger Planungen Streckenführung, Hochbauten und der Oberbau die Zeit fast unverändert überdauert haben.

Fazit: Ein rundum interessantes und empfehlenswertes Buch für alle Leser, deren Interesse für deutsche Eisenbahngeschichte nicht durch Landesgrenzen eingeschränkt wird.

Peter J. Flaskamp

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