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Eisenbahn-Dumjahn online

 

Brake, Michael (Text); Donath, Joachim (Fotos): Die Reise zum Mittelpunkt Berlins. Bau der U 55 zwischen Hauptbahnhof und Brandenburger Tor. Berlin 2009 (Dumjahn-Nr. 0018118)
Dumjahn-Nr. 0018118
ISBN-10: 3786126119
ISBN-13: 
9783786126119
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Joachim Seyferth:
»
Man kann überhaupt froh sein, daß in diesen Zeiten überhaupt noch aufwendige Farbbildbände zu exklusiven Themen erscheinen - kleinere Städte bzw. Unternehmen würden bei allem guten Willen vermutlich am Budget für derlei Buchprojekte scheitern. Deshalb: Glückwunsch nach Berlin!«

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Glückwunsch nach Berlin!


Brake, Michael (Text); Donath, Joachim (Fotos): Die Reise zum Mittelpunkt Berlins. Bau der U 55 zwischen Hauptbahnhof und Brandenburger Tor. Gebr. Mann Verlag : Berlin 2009. - Zur Bibliographie.

Es gibt Dinge im Eisenbahnwesen, die sind absolut einmalig und vergänglich, werden aber zumindest in den Kreisen der Eisenbahnfreunde mit der Kamera so gut wie nie dokumentiert. Hierzu gehören zum Beispiel die temporären Ereignisse des Baus von Schienenwegen, die meist zwischen zwei und zehn Jahre andauern - je älter die Strecken, desto schneller ging's übrigens! Mit detailverliebter Neugierde schauen wir uns heutzutage historische Fotos vom Eisenbahnbau an und staunen über Landschaftseingriffe, alte Baugeräte und Bahnbau-Techniken sowie über die vielen Bauarbeiter, die früher den fehlenden Maschineneinsatz kompensieren mußten.

Auch heute und hoffentlich auch zukünftig werden neue Eisenbahnstrecken gebaut, denn Straßen haben wir ja nun wirklich zur Genüge. Da gibt es Neubaustrecken, Ausbaustrecken, Streckenverlängerungen, Straßenbahnstrecken, Industriebahnen und sogar Reaktivierungen von stillgelegten Strecken, die oft einem Neubau gleichkommen. Und es gibt Schienen-Bauprojekte, an die uns indirekt das DB-Baustellen-Maskottchen »Max, der Maulwurf« erinnert, nämlich die der unterirdischen U-Bahn und Stadtbahnstrecken. An umstrittene Projekte wie zum Beispiel »Stuttgart 21«, die tatsächlich sogar in zweideutiger Hinsicht unterirdisch sind, möchten viele Zeitgenossen allerdings gar nicht erinnert werden ...

Unter die Erde geht es auch im vorliegenden Bildband: »Die Reise zum Mittelpunkt Berlins« (frei nach Jules Vernes klassischer Fiktion »Reise zum Mittelpunkt der Erde«) hat ausschließlich den Bau der U 55 zwischen Hauptbahnhof und Brandenburger Tor zum Inhalt. Die Strecke wird auch als eine der vielleicht kürzesten U-Bahnlinien der Welt tituliert und besitzt auf ihrer Gesamtlänge (oder besser -kürze) von knapp zwei Kilometern mit »Bundestag« nur eine einzige Zwischenstation. Noch ist sie eine Inselstrecke innerhalb der unterirdischen Berliner Schienenwege, was übrigens den Antransport der U-Bahn-Fahrzeuge auf der Straße und deren »Versenkung« in den Untergrund per Schwerlastkränen erforderte. In zehn Jahren soll die U 55 Bestandteil der Verlängerung der U 5 werden (bisheriger Endpunkt »Alexanderplatz«) und damit ihren isolierten Sonderstatus verlieren.

Der Fotograf Joachim Donath und der Autor Michael Brake haben in Zusammenarbeit mit der BVG als Bauherrin zu dieser vergleichsweise kurzen Strecke einen um so größeren, wenn nicht gar fulminanten Bildband geschaffen. Ab 2004 stieg Joachim Donath mit der Kamera immer wieder zu den Arbeitern in die Baugruben und Tunnel hinab und hat bis zur Fertigstellung somit die »Schwangerschaft« der U 55 dokumentiert - eine Arbeit, die man sich in dieser Form auch für manch anderes Schienenprojekt gewünscht hätte. Rund 150 seiner Photographien sind in diesem querformatigen und repräsentativen Bildband versammelt, alle ganz- oder doppelseitig und in Farbe. Und das Erfreulichste ist, daß diese Fotos in Symbiose mit einer optimalen Papiersorte sowie einer hervorragenden Druckqualität nicht nur dokumentarischen, sondern auch einen ästhetischen und künstlerischen Anspruch besitzen. Denn gute Fotografen kann man auch auf eine Müllhalde oder in ein leeres Zimmer schicken - es kommt immer Besonderes dabei heraus! Wer glaubt, daß (Schienen-) Baustellen häßlich sind und lieber auf das Postkartenmotiv mit dem Zug im Regelbetrieb wartet, kann hier dazulernen: Gerade auch in fotografischer Hinsicht sind Baugruben eine Fundgrube, wenn Licht, Kameratechnik und Bildausschnitt optimal vereint werden. Zudem können hier mehrere Genres der Photographie vereint werden: Industrie und Technik, Menschen, Architektur und Design. Avantgarde sowieso, denn gerade auch Baustellen offenbaren temporäre Sichtweisen, die nicht einmal wiederholbar sind. Und wir lernen auch, daß moderne Baustellen kaum noch schmutzig oder unaufgeräumt sind - Effizienz und Logistik haben auch hier Einzug gehalten.

Joachim Donath zeigt uns die oberirdischen Vorbereitungen zum U-Bahn-Bau, plakative Verschalungen und Gerüste in Gruben und Schächten, feuchte Tunnelwände im Rohbau, das Konglomerat aus Maschinen, Rohrleitungen und Beton, Schutzverkleidungen à la Christo und kunstlichtgedimmte Unterwelten. Und natürlich die Menschen - ob Arbeiter auf und mit Maschinen oder Passanten am Bauzaun und Besucher am »Tag des offenen Tunnnels«. Insbesondere den am Bau beteiligten Menschen, die mit diesem Buch glücklicherweise auch ein bleibendes Dokument ihrer Arbeit erhalten haben, ist mit »Men at Work« natürlich auch ein eigenes Bildkapitel gewidmet. Und bei all dieser Augenweide kommen auch Fakten und Hintergrundinformation nicht zu kurz:

Drei ausführliche Textbeiträge zu Beginn des Buches (Eine Fahrt mit der U 55 / Die Geschichte einer U-Bahn / Wie baut man einen U-Bahnhof?) machen uns schlauer und stimmen auf die Fotos ein, deren Bildlegenden weitere Informationen bereithalten.

Sehr viel besser kann man die Reise zum Mittelpunkt Berlins nicht illustrieren, weitere noch detailverliebtere Aufnahmen oder eine zusätzliche plakative Schwarzweiß-Photographie hätten den Rahmen dieses Bandes und dessen Konzept gesprengt. Man kann überhaupt froh sein, daß in diesen Zeiten überhaupt noch aufwendige Farbbildbände zu exklusiven Themen erscheinen - kleinere Städte bzw. Unternehmen würden bei allem guten Willen vermutlich am Budget für derlei Buchprojekte scheitern. Deshalb: Glückwunsch nach Berlin!

Joachim Seyferth

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