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Alfred Gottwaldt: |
Dumjahn's
Bahn-Rezensionen online: Mustergültige Nachweise Hürlimann, Gisela: »Die Eisenbahn der Zukunft«. Automatisierung, Schnellverkehr und Modernisierung bei den SBB 1955-2005 (Interferenzen, 12). Chronos Verlag : Zürich 2007 . - Zur Bibliographie. Das Buch beschäftigt sich mit der »Vergangenheit der Zukunft« des Eisenbahnverkehrs in der Schweiz und möchte eine »integrative Unternehmensgeschichte« mit sozialen, politischen und ökonomischen Elementen bieten, dabei auch die Protagonisten der historischen Entwicklung benennen. Es beruht auf einer Dissertation an der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich bei den Professoren Jakob Tanner und David Gugerli, die seinerzeit ein komparatives historisches Forschungsprojekt über den Zeitraum von 1970 bis 2000 betrieben, das auch die Postverwaltung umfaßte. Derzeit betriebt Gisela Hürlimann ihr Habilitationsprojekt mit dem Titel: »Die Sozialpolitik des Steuerstaats. Umverteilungsentwicklung der schweizerischen Steuerpolitik 1955 – 1993«. Nach einem Wort des Eisenbahnhistorikers Kilian Elsasser »stiften die SBB schweizerische Identität«, wie aktuell an einem unverwechselbaren und erfolgreichen Modernisierungsprogramm mit der Bezeichnung »Bahn 2000« seit dem Jahre 2004 sichtbar ist. Die Kernfragen dieser Untersuchung über die neuere Geschichte der Eisenbahn in der Schweiz lauteten demnach: Wer generierte Ideen für innovative technische Lösungen und für neue Bahnangebote bei den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) der Nachkriegszeit? Welche Ideen konnten sich durchsetzen, warum, und auf welche Weise? Kurz: Wie hängen organisatorischer Wandel und technische Innovation zusammen? Schon seit den fünfziger Jahren bereiteten die europäischen Eisenbahnen gemeinsam Konzepte für eine »Eisenbahn der Zukunft« vor, gespeist aus ihrer Angst vor Bedeutungsverlust durch die Konkurrenz anderer Verkehrsträger ab 1960 ebenso wie aus gleichzeitigem technischem Fortschrittsdenken. In der Schweiz handelte es sich dabei vor allem um Projekte zur automatischen Zugsicherung, zum binnenländischen Taktfahrplan sowie zu einer neuen Schnellbahntrasse Bern – Zürich. Letztgenanntes Vorhaben scheiterte im Verlauf einer zunehmenden Umweltdebatte teilweise, lieferte aber fruchtbare Denkanstöße zu einem innovativen Konzept »Bahn 2000« und einer Unternehmensreform bis hin zur SBB AG. Selbstverständlich wurden auch in der Schweiz die Debatten um staatliche Subventionen für die Bahn, um Marktwirtschaft und Marketing geführt. Die Untersuchung beleuchtet die Sichtweise von Ingenieuren und Generaldirektoren, mit denen Gisela Hürlimann zahlreiche Gespräche führte. Sie zeigt die Funktion von Innovationsnetzwerken am Beispiel des 1971 gegründeten »Spinnerclubs« aus kreativen, mit einer gewissen Narrenfreiheit ausgestatteten jungen Köpfen innerhalb der SBB oder bei der Entwicklung des »European Train Control Systems«. Die Darstellung in acht umfangreichen Kapiteln nach den Sachthemen von Bestandsaufnahme, Kybernetik, Temposteigerung, Taktfahrplan, Marktorientierung, Bau von Haupttransversalen, Internationale Zugbeeinflussungstechnologie und Bahnreform zugleich auch nahezu chronologisch gegliedert. Alle Nachweise der benutzten Quellen sind nahezu mustergültig geführt, darunter besonders die umfangreichen Interviews mit leitenden Angehörigen der SBB-Verwaltung. Auch die SBB öffneten ihre Archive. Die 39 zeitgenössischen Abbildungen liefern viele zusätzliche Informationen; ein Sach- oder Personenregister und Kurzbiographien im Anhang hätte man freilich gern gesehen. Alfred Gottwaldt © Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages. Über den Rezensenten |
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