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Körner, Torsten: Geschichten aus dem Speisewagen. Unterwegs in Deutschland. Frankfurt am Main 2010 (Dumjahn-Nr. 0018217)
Dumjahn-Nr. 0018217
ISBN-10: 350215161X

Alfred Gottwaldt:
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Seine Sätze sind kurz und machen die Lektüre durchaus angenehm. Alles ist lebhaft geschrieben, zweifellos. Ob jeder unserer Leser diese andere Form der Dokumentation schätzen wird, muß offen bleiben

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Banale Republik Deutschland


Körner, Torsten: Geschichten aus dem Speisewagen. Unterwegs in Deutschland. Scherz Verlag : Frankfurt am Main 2010. - Zur Bibliographie.

Zu dem umfangreichen Thema der Zuggastronomie liegen in der Fachliteratur bereits die Schriften von Walther Brandt über Schlaf- und Speisewagen der Eisenbahnen (Stuttgart 1968), von Fritz Stöckl (Stuttgart 1987) sowie von Albert Mühl über den Speisewagenbetrieb in Deutschland (Freiburg 1994) vor. Das Typenbuch von Wolfgang Theurich und Joachim Deppmeyer (Berlin 1994) läßt keine technische Frage offen. Zuletzt haben sich Tilo Köhler (Berlin 2002) über die »Mitropa« und Anja Steinhorst (Berlin 2004) über das »Speisen auf Reisen« in Ost oder West geäußert; diese Aufzählung ist keineswegs vollständig.

Eine historische Sachdarstellung ist die Idee hinter dem Buch des jetzt sechsundvierzigjährigen Literaturwissenschaftlers Torsten Körner nicht. Er will ein anderes Publikum erreichen und hat dazu bei seinen Bahnfahrten im Verlauf des Jahres 2009 mit zahllosen Reisenden gesprochen, die ihm »ihre« Geschichte(n) anvertrauten. Ziel war ein »einzigartiges Gesellschaftsporträt, das das fast verborgene Gesicht der Bundesrepublik jenseits aller Klassen und Alltagsgrenzen widerspiegelt« (Rücktitel).

Mit dem Gedanken, sich im Besitz einer »Netzkarte« durch das Land treiben zu lassen und seine mitunter romantischen Erlebnisse aufzuschreiben, hat schon Sten Nadolny die Leser im Jahre 1981 glänzend unterhalten. Die Momentaufnahme von Torsten Körner aus den ICE-Abteilen 1. Klasse und ihren »Bordrestaurants« hat den aktuelleren Befund. Durch das Aufkommen des Laptops (und dessen brüchiges Verbot im Speisewagen) wurde die Kommunikation im Zug erheblich verändert.

Bei einem Gesamtumfang von 384 Seiten können allerhand Geschichten zur Sprache kommen, darunter amüsante und erkenntnisreiche Gedanken. Sie bieten zugleich ein zerrissenes Bild: Die bürgerliche Ehe, der Fußball, der letzte Krieg und die Gesundheit sind die wichtigsten Themen, welche vor allem sehr alte und sehr junge Menschen heute zur Sprache bringen. Außerdem die Midlife-Crisis der fast Fünfzigjährigen. Vieles davon hat nicht direkt mit der Eisenbahn und dem Speisewagen zu tun. Wenn manche Historien die scheinbare Banalität des Lebens der Bürger in der Bundesrepublik Deutschland deutlich machen, mag das durchaus als ein gutes Zeichen gelten.

Die Gliederung des Materials in einem umfangreichen Buch bildet keine einfache Angelegenheit. Torsten Körner verteilt den Stoff auf rund dreißig Abschnitte, in denen er zumeist erzählt, mehrfach aber auch Datenkollagen montiert (Seite 189: »Wußten Sie, daß den Juden die Benutzung des Speisewagens ab 1939 verboten war?«).

Der Stil wechselt zwischen wörtlicher und indirekter Rede. Mitunter herrscht das Bemühen vor, selbst literarisch originell zu sein (Seite 32: »Vor den Mündern der Wartenden stapeln sich die Atemwolken«; Seite 48: »Der Mann ... pflückt Augenblicke herunter«). Zur Technik des Verfassers wird mitgeteilt, daß er die meisten Texte leicht verfremden mußte, um die Anonymität seiner Gesprächspartner zu wahren. Anders als Sten Nadolny, bei dem Subjektivität des Erzählers die Darstellung beherrscht, bleibt Torsten Körner (Seite 355) an den gedeckten Tischen zumeist »ein fremder Gast, der alles heimlich beobachten darf, aber nicht mitspielt«. Seine Sätze sind kurz und machen die Lektüre durchaus angenehm. Alles ist lebhaft geschrieben, zweifellos. Ob jeder unserer Leser diese andere Form der Dokumentation schätzen wird, muß offen bleiben.

Alfred Gottwaldt

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