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Eisenbahn-Dumjahn online

 

Glanert, Peter; Scherrans, Thomas u.a.: Wechselstrom-Zugbetrieb in Deutschland. Band 1: Durch das mitteldeutsche Braunkohlerevier 1900-1947. München 2010 (Dumjahn-Nr. 0018233)
Dumjahn-Nr. 0018233

ISBN-10: 3835632175
ISBN-13: 9783835632172
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Dr. Alfred Gottwaldt:
»
Besonders die Öffnung der Archive im früheren kommunistischen Einflußbereich machte es möglich, daß seit zwanzig Jahren viel mehr an den Quellen – also alten Akten – gearbeitet wird als früher.«

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Dumjahn's Bahn-Rezensionen online:
Weitgehend chronologisch gegliedert

Glanert, Peter; Scherrans, Thomas u.a.: Wechselstrom-Zugbetrieb in Deutschland. Band 1: Durch das mitteldeutsche Braunkohlerevier 1900-1947. Oldenbourg Industrieverlag : München 2010. - Zur Bibliographie.

Ein Blick auf die jüngere Fachliteratur zur Eisenbahngeschichte zeigt, daß die Arbeiten im Lauf der Zeit insgesamt genauer, gründlicher und damit »wissenschaftlicher« geworden sind. Besonders die Öffnung der Archive im früheren kommunistischen Einflußbereich machte es möglich, daß seit zwanzig Jahren viel mehr an den Quellen – also alten Akten – gearbeitet wird als früher.

Das hier anzuzeigende Werk bildet den ersten Teil einer auf drei Bände angelegten Serie. Neben dem zunächst behandelten Thema der elektrischen Traktion im mitteldeutschen Braunkohlenrevier von 1900 bis 1947 kommen noch entsprechende Veröffentlichungen über die elektrische Zugförderung in Schlesien zwischen 1911 und 1945 sowie über den Wechselstrom-Zugbetrieb bei der Reichsbahn in den Jahren seit 1947 heraus.

Der Stoff ist hier weitgehend chronologisch in elf Kapitel gegliedert. Betrachtet werden also die geschichtlichen Ereignisse in Mitteldeutschland vom Versuchsbetrieb im Gebiet Dessau – Bitterfeld ab 1909 über den Abbruch des Oberleitungsbetriebs 1914, den Wiederaufbau des elektrischen Zugverkehrs ab 1920, das Werkstättenwesen, jüngere Elektrolokomotiven und Triebwagen bis hin zur Eisenbahn während unserer nationalsozialistischen Periode. Breiten Raum nimmt die Darstellung der »Zeit nach der Kapitulation des Deutschen Reiches« ein.

Offenkundig beherrschen die bislang wenig aufgefallenen vier Autoren ihre einzelnen Fachgebiete – das sind Maschinentechnik und Stromversorgungsanlagen der elektrischen Traktion – bis ins Detail. Die mit großem Fleiß zusammengetragenen Informationen sind in ihrer Dichte überwältigend. Weniger stark ausgeprägt ist der Blick auf Veränderungen im Fahrplanwesen durch die Elektrifizierung. Mehr hätte man sich auch über die beteiligten Personen gewünscht, zum Beispiel die in den zahlreichen Gruppenaufnahmen. Ein wenig – und unnötig – wird die Lektüre getrübt durch mitunter herablassend klingende Formulierungen zu Einzelheiten in den früheren Schriften zum Thema, für welche die jetzt zugänglichen Quellen noch nicht zur Verfügung standen.

Auf Einzelnachweise durch Fußnoten oder präzise Quellenangaben im Nachspann wurde verzichtet, dagegen erscheint mancher pauschalisierte Hinweis wie »Schriftliche Aufzeichnungen von Zeitzeugen« doch überflüssig. Neben der hohen Informationsdichte macht die große Anzahl unbekannter Fotografien, deren Wiedergabequalität allerdings schwankt, das Buch reizvoll. Eine exakte Datierung der Bilder fehlt nicht selten.

Der Bau und Betrieb von Eisenbahnen, zumal von Staatsbahnen, ist stets auch eine politische Angelegenheit. Das gilt besonders für das 20. Jahrhundert mit seinen imperialistischen Strömungen unterschiedlicher Couleur. Bei der Abhandlung dieser Zusammenhänge weist die Arbeit stilistische Mängel auf, die mit mehr Sensibilität für die deutsche Eroberungspolitik und ihre Folgen für Mitteleuropa oder durch ein sorgfältigeres Lektorat vermeidbar gewesen wären: Mehrfach wird die nicht nur überholte Formel vom »Ausbruch des Krieges« verwendet. Nachdem das Wirken der Reichsbahn für ein elektrifiziertes Streckennetz, selbst im Dritten Reich, stets als unanfechtbar hochstehend gilt, wird dessen Zerstörung durch »anglo-amerikanische Bomber« (Seite 143) beklagt. So mußte Magdeburg viele »Luftangriffe erleiden« (Seite 182). Mit Argumenten Lenins wird die unsinnige Demontage der Bahnen in der Sowjetischen Besatzungszone süffisant kritisiert (Seite 215).

Im letzten Kapitel trägt ein Abschnitt die Überschrift »Was die Besatzer nicht gebrauchen konnten«. So maliziös sollte mit der deutschen Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg nicht umgegangen werden, selbst wenn es »nur« um den Wechselstrom-Zugbetrieb geht.

Dr. Alfred Gottwaldt

© Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages.

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