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Dollhofer, Josef: Feuerross und Flügelrad in Ostbayern. Die Ära der Bayerischen Ostbahnen. Regensburg 2010 (Dumjahn-Nr. 0018232)
Dumjahn-Nr. 0018232
ISBN-10: 3791723006
ISBN-13: 9783791723006
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Dirk Boscheinen:
»Josef Dollhofer ist mit dem 'Feuerross …' ein wunderbares Werk über die Region Oberpfalz/Niederbayern und ihr Bahnwesen gelungen, das von Sachverstand zeugt. Dies und die Liebe zum Detail macht das Buch trotz einzelner Schwächen so lesenswert.«

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Die BOB und die Liebe zum Detail

Dollhofer, Josef: Feuerross und Flügelrad in Ostbayern. Die Ära der Bayerischen Ostbahnen. Verlag Friedrich Pustet : Regensburg 2010. - Zur Bibliographie.

Ein Buch über die Bayerischen Ostbahnen (BOB) verlangt nach viel Recherche, da im Laufe von fast 140 Jahren so Manches in Vergessenheit geraten ist und die Spuren dieses hoch interessanten Teils der Bayerischen Geschichte in dieser Zeit verblaßt oder verschwunden sind. Und Josef Dollhofer ist diesen Weg zurück in die Vergangenheit mit viel Fleiß gegangen. In seinem mehr als 560 Seiten umfassenden Werk zeigt er die Geschichte dieser bemerkenswerten Bahngesellschaft von den Vorplanungen bis zu ihrer Verstaatlichung im Jahre 1875 teilweise sehr detailverliebt auf.

Bereits im Vorwort beschreibt er die besondere Lage der Oberpfalz und Niederbayerns um 1850 als eine »trostlose Eisenbahnwüste. Der Wechsel vom Staatsbahn- zum Privatbahnprinzip Mitte der 1850er-Jahre brachte für Ostbayern schließlich die Wende« (S. 13). In der knapp 20 Jahre dauernden Geschichte der BOB gelang es dieser Gesellschaft, rund 1000 Bahnkilometer zu erstellen und zu projektieren. Bereits an diesen beeindruckenden Fakten kann der geneigte Leser die damalige Dynamik der Entwicklung gut erfassen.

Doch Dollhofer geht in seinem Werk nicht nur auf die Bahngeschichte ein, sondern beschreibt auch die Rolle des oberpfälzischen Zentrums Regensburg. Diese Stadt war bereits im Mittelalter ein wichtiger Handelsplatz an der Donau. Doch der Siegeszug der Türken um 1453, der neu entdeckte Seeweg nach Indien sowie die restriktive Handelspolitik Österreichs nach dem Sturz Napoleons ließen die Bedeutung Regensburgs stark sinken und die »Magazine und Landungsplätze boten im frühen 19. Jahrhundert ein trauriges Bild der Verwaisung« (S. 15). Ausgehend von dieser Entwicklung beschreibt der Autor die Bedeutung der fehlenden Bahnanbindung und der politischen Entwicklungen für Regensburg und das Umland.

Auch das von Ludwig I. um 1827 geförderte Projekt des ersten Main-Donau-Kanals wird als Hemmnis für eine weitere wirtschaftliche Entwicklung für die Entwicklung der Eisenbahn in Bayern geschildert. Selbst der Bau der Nürnberg-Fürther Ludwigsbahn konnte hier kein Umdenken des Monarchen bewirken.

Erst das Scheitern der Bayerisch-Württembergischen Donau-Dampfschifffahrt im Jahre 1846 (S. 44/45) ließ laut Dollhofer ein Umdenken zu (S. 46). Die anschließenden Verhandlungen und Planungen werden vom Verfasser kenntnisreich auf rund 35 Seiten beschrieben.

Die hinzukommende Krise der bayerischen Staatsbahnen wird als ein wichtiger Aspekt für die Entscheidung zur Gründung einer Privatbahn ebenfalls detailliert geschildert. Was nun folgt, ist die Gründungsgeschichte der BOB und die Entwicklung des Streckennetzes.

Genau dieser Teil des Buches läßt wohl Kritik am sonst gelungenen Werk Dollhofers zu. Auf über 370 Seiten wird jede noch so kurze Strecke und ihre Ursprungsgeschichte beschrieben. Der Verfasser beschreibt hier sicher und kenntnisreich die jeweilige Chronologie, aber oft bleibt es nur bei Andeutungen von menschlichen Schicksalen, die durch die BOB bedingt waren. So erwähnt der Autor mehrfach das Schicksal einzelner Bauunternehmer, die von der BOB übervorteilt wurden, allerdings ohne in Details zu gehen. Sogar der sechsjährige Prozeß eines Bauunternehmers, der am Bauabschnitt Schleißheim - Landshut beteiligt war, gegen die BOB, bei dem die Bahngesellschaft rechtskräftig zur Rückerstattung von Konventionalstrafen und Prozeßkosten verurteilt wurde, findet lediglich in einem Absatz auf den Seiten 105 und 106 eine namenlose Würdigung.

Nachdem der Leser sich durch diese Auflistung durchgearbeitet hat, findet er eine 14-seitige Abhandlung über Krise und Verstaatlichung der BOB. Und genau hier hätte es gerne etwas mehr sein dürfen. So manches Detail bleibt vage, beispielsweise wird der ruinöse Wettbewerb zwischen den bayerischen Bahngesellschaften nur mit einem kurzen Abschnitt auf Seite 465 abgehandelt. Hierin erwähnt Dollhofer, daß die Staatsbahn »mit der Überlegenheit des größeren Verkehrsapparates … nun die Konkurrenz unter Inkaufnahme finanzieller Opfer« verstärkte. Wie das im Einzelfall oder in der Gesamtschau aussah, bleibt offen.

Warum Details aus dem Tagesgeschäft der BOB, wie Zugverbindungen, Bahnpolizeidienst, Uniformierung des Betriebspersonal oder Einrichtungen der Gesellschaft erst im Anschluß an das Kapitel über die Verstaatlichung abgehandelt wird ist, nicht zwingend erkennbar.

Auch die Bildauswahl ist etwas unvorteilhaft. Sicher ist es fast unmöglich, Bilder und Fotografien aus der Zeit der BOB in ausreichender Menge und Qualität zu finden. Daher sind Aufnahmen von Maschinen und Anlagen der BOB in der Zeit nach 1875 sicherlich akzeptabel, um dem Leser Eindrücke, die in den Textpassagen beschrieben werden, zu untermauern. Allerdings fragt man sich schon hin und wieder, warum Bilder von bayerischen Staatsbahnmaschinen, wie der 3/6 um 1925 gezeigt werden, die keine markanten Details der BOB Besonderheiten wiedergeben (S. 256). Aufnahmen aus den 1950er Jahren vom »Bubikopf« (S. 358) und der BR 50 (S. 359) auf Streckenabschnitten des ehemaligen Schienennetzes verursachen eher Stirnrunzeln, aber sie zeigen zumindest interessante Streckenabschnitte.

Aber eine Fotografie mit einem Militärtransport von US-Panzern bei Hartmanns »während des Kalten Kriegs« (S. 307), welche den baulichen Zustand in der Zeit nach 1945 zeigt, wirkt doch etwas unmotiviert.

Die im Anhang mit viel Liebe zum Detail aufgeführten Begriffsklärungen und Verzeichnisse begeistern hingegen wieder. Alte Maß- und Gewichtsangaben sowie Währungen werden ebenfalls fachgerecht aufgeschlüsselt (S. 536).

Josef Dollhofer ist mit dem »Feuerross …« ein wunderbares Werk über die Region Oberpfalz/Niederbayern und ihr Bahnwesen gelungen, das von Sachverstand zeugt. Dies und die Liebe zum Detail macht das Buch trotz einzelner Schwächen so lesenswert.

Dirk Boscheinen

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