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Rezensionen (2)

Huguenin, Bernard; Huguenin, François: Bw Ottbergen. Ein typisches Bahnbetriebswerk der Dampflokzeit (Dumjahn-Nr. 0002496)
Dumjahn-Nr. 0002496
ISBN-10: 3921426227
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Huguenin, Bernard; Huguenin, François: Bw Ottbergen. Ein typisches Bahnbetriebswerk der Dampflokzeit. Mainz 1984.

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Miniaturbahnen 37 (1985) Nr. 11

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 31. Juli 1986 (Nr. 174, Seite 20)

Hamburger Blätter 33 (1986) Heft 2

LOK-Magazin 25 (1986) Nr. 136, Seite 79

Hessisch-Niedersächsische Allgemeine (HNA) vom 26. April 1986 (Nr. 97)

Westdeutsche Allgemeine (WAZ) vom 7. März 1986 (Nr. 56)

Pinneberger Tageblatt vom 23. Oktober 1986 (Seite 18)

Die Lokrundschau 18 (1986) Nr. 103, Seite 71-72

Neue Westfälische (Höxtersche Kreiszeitung) vom 22. Oktober 1985 (Nr. 245)

Blickpunkt DB, Januar 1986

Der Tagesspiegel vom 8. Februar 1987 (Nr. 12578, Seite III)

Eisenbahn-Journal 12 (1986) Heft 6, Seite 41

Eisenbahn-Revue 9 (1985) Heft 6

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SCHIENE 4 (1985) Heft 5

Ein »geschriebenes Denkmal«

Mehrere Abende habe ich dazu benötigt, diesen voluminösen Band durchzulesen und mir ein Urteil für diese Besprechung zu bilden. Es hat sich gelohnt. Vieles hat mir an diesem »geschriebenen Denkmal« über ein typisches Bahnbetriebswerk der Dampflokzeit gefallen; richtig gefreut habe ich mich auf das Weiterlesen und nie kam das Gefühl auf, es mehr oder weniger zwanghaft für eine Rezension tun zu müssen.

Was mir an diesem Buch so gefällt? Das Papier, die abwechslungsreiche und saubere Gestaltung, die technische und motivliche Qualität der meisten Fotos, der aufgelockerte Text, die lebendigen Beschreibungen und Erzählungen, die liebevollen Zeichnungen und Details und der berühmte »rote Faden«, der immer wieder die Atmosphäre des Dampflokalltags in einem Bahnbetriebswerk vermittelt. Aber der Reihe nach:

Fangen wir mal mit den Äußerlichkeiten an. Der Schutzumschlag dieses fast 400 Seiten und 27 mal 34 Zentimeter großen »Brockens« mit seinem auf Signalwirkung bedachten kräftigen Rot zeigt unter dem Titel eine plakative Gegenlichtaufnahme der 044 256-6 auf der Drehscheibe des Bws Ottbergen. Beim ersten Blättern stößt man auf die Widmung: »Den schwarzen Gesellen vom ehemaligen Bw Ottbergen«. Womit wir schon beim »roten Faden« wären, denn von den Ottbergener Eisenbahnern und ihren Maschinen handelt dieses Buch bis ins kleinste Detail. Beim neugierigen Durchblättern des Buches - um einen ersten Überblick zu bekommen - ist mir das gediegene und feste mattgestrichene Papier aufgefallen, das sowohl die Fotos als auch den Text und die Zeichnungen in einer hervorragenden Qualität wiedergibt; der Druck ist kräftig und satt, nichts ist flau oder »versoffen« und die Fotos bestechen einerseits durch ihre natürlichen Farben und bei den Schwarzweißaufnahmen andererseits durch ihren hohen Kontrastreichtum mit den vielen Zwischentonwerten, erzielt durch den für den Dumjahn-Verlag schon fast charakteristischen Druck im Doppeltonverfahren.

Ferner fällt bei der ersten Durchsicht die übersichtliche und immer »aufgeräumt« wirkende grafische Gestaltung auf, keine Seite wirkt überfrachtet, die Konzentration auf das Wesentliche hinterläßt eine bestechende Schlichtheit. Immer wieder wird der Text durch Fotos, maßstäbliche technische Abbildungen und Zeichnungen aufgelockert. Die Motivwahl der meisten Aufnahmen ist gut bis hervorragend und wird gekrönt von zahlreichen sehr stimmungsvollen Eindrücken. Am Schluß findet man eine große Faltbeilage im DIN-A-0-Format, die eine Panoramazeichnung des Ortes Ottbergen, einen Bahnhofs- und Bw-Lageplan von Ottbergen sowie eine Lokomotivzeichnung der 044 569-2 (Seitenansicht, Maßstab 1:20) enthält.

Soweit der hervorragende äußere Eindruck des Werkes, der einen auf den eigentlichen Inhalt besonders neugierig werden läßt. Und hier erfährt man, daß die beiden Autoren Bernard und François Huguenin Schweizer sind und daß aus ihrer Begeisterung für die Dampflokomotive und aus ihren Reisen nach Deutschland die Liebe zu diesem mittelgroßen, für die Dampflokzeit so typischen Bahnbetriebswerk entstanden ist. Der Wunsch, sämtliches Geschehen in und um diese interessante Dienststelle der Deutschen Bundesbahn zu dokumentieren und zu beschreiben, gipfelte schließlich in der Erstellung dieses Buches, an dem die Autoren über sieben Jahre gearbeitet haben.

Und jetzt wird auch das für mich, besonders als Eisenbahner, Faszinierende an diesem Buch klar: Mittelpunkt dieses Buches ist ein einziges Bahnbetriebswerk in den letzten Jahren des Dampfbetriebes mit seinem Alltagsbetrieb, beschrieben in allen Facetten und bis ins kleinste Detail. Nicht den effektheischenden Besonderheiten oder einer fragwürdigen Quantität wird hier erlegen, sondern dem »hundsgemeinen« Normalbetrieb und Dampflokalltag wird hier eine große literarische Würdigung zuteil. Die großen Personen dieses Buches sind der Drehscheibenwärter, der Lokleiter, die Schlosser, die Heizer und Lokführer, die Schuppenarbeiter - all jene, die den Eisenbahnbetrieb am Laufen hielten. Die großen technischen Gegenstände dieses Buches sind keine spektakulären Rekordlokomotiven, sondern die unermüdlichen »Arbeitstiere« der Baureihe 44, die zahlreichen Bauwerke und Einrichtungen eines Bahnbetriebswerkes von der Drehscheibe bis zum Fahrradschuppen. Das Verdienst dieses Buches ist es, daß, wie ich meine Schönste am Eisenbahnwesen in spannender und hochinteressanter Form zu vermitteln: Den Alltagsbetrieb!

Und wie es sich für ein Buch dieser Größe und dieses Anspruchs gehört, erfährt man zunächst einmal Historisches von Ottbergen, jenem kleinen Ort im Weserbergland, der früher »Odburgun« hieß und später zu einer wichtigen Schnittstelle wichtiger Ost-West-Verbindungen wurde: Voraussetzung für das Entstehen des Bahnbetriebswerkes Ottbergen. Es folgen ausführliche Beschreibungen und Abhandlungen über die Geschichte des Betriebsmaschinendienstes in Ottbergen, über die »Kraftprotze« und »Jumbos« der Baureihe 44 und über die benachbarten Bahnbetriebswerke, immerhin acht an der Zahl! Und erst ab Seite 179 gelangt man so richtig ins Bw Ottbergen und lernt seine Bedeutung und Funktion kennen. In Form von authentischen Nacherzählungen folgen Geschichten über den Nachtdienst in der Lokleitung (»Könnt ihr uns Vorspann leisten?«), über einen Tag mit dem Werkmeister (»Hör mal zu, die Lok muß unbedingt raus!«) und über eine Führerstandsmitfahrt nach Herzberg und zurück (»Ausfahrt frei!« für Dg 53845). Diese mit viel wörtlicher Rede ausgestatteten Reportagen knüpfen an die schöne Erzähltradition von altbekannten Eisenbahnbuch-Autoren an und sind der Stoff, der einen so erlebnisnah in den Alltagsbetrieb dieses Bahnbetriebswerkes und seiner Menschen versetzt.

Die langsame Agonie des Bws Ottbergen wird im Kapitel »Schrottbergen oder das bittere Ende« dargestellt, wobei das Schicksal der dort beschäftigten Eisenbahner sehr deutlich wird: Die gleichen Loks, die sie früher sorgsam pflegten und instandsetzten, mußten sie von einem Tag auf den anderen verschrotten. Daß die Schuppenarbeiter auf den in diesem Kapitel enthaltenen Fotos nicht gerade glücklich dreinschauen, ist nur zu verständlich. Noch nicht einmal eine Denkmallok blieb Ottbergen übrig, diese wurde in Form der 044 389-5 in Altenbeken aufgestellt, was das letzte Kapitel des Buches dokumentiert.

Ein Nachwort von Dipl.-Ing. Dieter Lampe sowie ein Abkürzungsverzeichnis, Textanmerkungen, Literaturhinweise, Register und Abbildungsnachweis beschließen das Buch, das man sicher beeindruckt und etwas nachdenklich zuklappt. Der hoch wirkende, aber angesichts des Gebotenen berechtigte Preis sollte keinen Interessenten abschrecken, sich dieses Buch anzuschaffen - es ist wirklich ein »geschriebenes Denkmal« über ein Stück Eisenbahngeschichte und für mich eine der schönsten Erinnerungen an die Dampflokzeit.

Joachim Seyferth in der SCHIENE 4 (1985) Heft 5.

Bw Ottbergen. Aus: Jahrbuch für Eisenbahnliteratur 1984, Seite 47

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