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Rezensionen (6)

Huguenin, Bernard; Huguenin, François: Bw Ottbergen. Ein typisches Bahnbetriebswerk der Dampflokzeit (Dumjahn-Nr. 0002496)
Dumjahn-Nr. 0002496
ISBN-10: 3921426227
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Huguenin, Bernard; Huguenin, François: Bw Ottbergen. Ein typisches Bahnbetriebswerk der Dampflokzeit.
Mainz 1984.

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Miniaturbahnen 37 (1985) Nr. 11

SCHIENE 4 (1985) Heft 5

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 31. Juli 1986 (Nr. 174, Seite 20)

Hamburger Blätter 33 (1986) Heft 2

LOK-Magazin 25 (1986) Nr. 136, Seite 79

Westdeutsche Allgemeine (WAZ) vom 7. März 1986 (Nr. 56)

Pinneberger Tageblatt vom 23. Oktober 1986 (Seite 18)

Die Lokrundschau 18 (1986) Nr. 103, Seite 71-72

Neue Westfälische (Höxtersche Kreiszeitung) vom 22. Oktober 1985 (Nr. 245)

Blickpunkt DB, Januar 1986

Der Tagesspiegel vom 8. Februar 1987 (Nr. 12578, Seite III)

Eisenbahn-Journal 12 (1986) Heft 6, Seite 41

Eisenbahn-Revue 9 (1985) Heft 6

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Hessisch-Niedersächsische Allgemeine (HNA) vom 26. April 1986 (Nr. 97)

Die schwarzen  Bahn-Gesellen

Zeichnung: Bernard Huguenin

Bernard und François Huguenin sind in dem Dorf im Weserbergland nur einige Male zu Besuch gewesen, doch der 33jährige Schweizer Lehrer und sein drei Jahre älterer Bruder, ein Elektronik- und Computer-Ingenieur, zählen seitdem in Ottbergen zwischen Höxter und Brakel zu den ortsbekannten Größen, spätestens seit sie mit einem außergewöhnlichen Buch dem gottvergessenen Dorf ein besonderes Denkmal gesetzt haben - mit der einmaligen Dokumentation »Bw Ottbergen«, der Geschichte eines Bahnbetriebswerks der Dampflokzeit. Ottbergen war - ein solches »Bw« und dieses Werk wirkte jahrzehntelang ortsbestimmend.

Feuer unterm Kessel

»Den schwarzen Gesellen« vom Lokdienst und jenen urgewaltig anmutenden schweren Maschinen, ihren letzten Jahren, haben sich die beiden Schweizer Eisenbahn-Kenner und -Freunde zugewendet. Sie fanden in Ottbergen einen der letzten Einsatzorte, wo noch Dampfloks Feuer unterm Kessel hatten.

Auch dies ist inzwischen Vergangenheit: Mit dem Fahrplanwechsel am 30. Mai 1976 kam auch in Ottbergen das »Aus« für die mächtigen Güterzuglokomotiven der Baureihe 44, die zuletzt außer in Ottbergen noch in Gelsenkirchen-Bismarck und Rheine in Dienst gestanden hatten. Die Brüder Huguenin wurden mit ihren ungezählten Fotos und Zeichnungen Zeugen und Bewahrer dieses Geschehens.

Aus Ottbergen wurde über Nacht das düstere Kapitel »Schrottbergen«, die Bahn, die hier mehreren Generationen Arbeit und Lebensaufgaben geboten hatte - das Ortsgeschehen stark bestimmend, ähnlich wie in Bebra, Altenbeken, Eichenberg und anderen - verschwand aus dem Arbeits- und Familienalltag der Menschen in Ottbergen.

Es sei in die Eisenbahn verliebt gewesen, das Dorf Ottbergen an der Nethe, bescheinigt der Lokleiter Hermann in Bodenfelde dem Gemeinwesen. Verwundert's, daß hier alljährlich an Nikolausabend sogar der gute Poltergeist mit Sack und Pack per Sonderzug ins Dorf rollte?

Letztmals geschah es am 6. Dezember 1975, dampfte die »044209-5« mit feuerstiebendem Schornstein und Läutewerk-Gebimmel vom Schrankenwärter-Stellwerk zum Bahnhof, wo der Nikolaus mit seinem Esel unter Kinderjubel ausstieg, um mit großem Geleit zum Kirchplatz zu ziehen.

Das Bahnbetriebswerk stellte die Lok, die Gemeinde und das Bahnsozialwerk bezahlten die Gaben für die Kinderschar. Natürlich machten Lokführer und Heizer an diesem Abend freiwillig Sonderdienst. Auch dies ist nur noch Ottbergener Eisenbahngeschichte.

Die wißbegierigen Schweizer auf der Dampflok-Spur verewigten nicht nur solch reizvolles Lokalgeschehen in Text und Bildern. Sie stellten zugleich mit »Bw Ottbergen« den Betriebsablauf dieser im Bahndienst wichtigen Arbeitsstätte dokumentarisch einwandfrei und fachlich korrekt vor - die Bundesbahn als Fundgrube für ein besonderes Kapitel Verkehrs- und Technikgeschichte.

Als die Schweizer Eisenbahnhistoriker - noch als Studenten während der Semesterferien im Frühjahr 1973 - erstmals ins Nethe-Dorf kamen, standen in diesem »Bw« 40 der letzten Dampf-Güterzugloks vom Typ 44. Dem ersten Kennenlernen folgten weitere Kontakte und schließlich im Frühjahr 1976 eine alarmierende Postkarten-Nachricht: »Unsere 44er laufen nur noch bis Ende Mai; die Einsatztage sind gezählt. « - »Da wußten wir, was die Stunde geschlagen hatte«, erinnert sich das Zweigespann heute.

In wirklich letzter Minute suchten die beiden jungen Leute Material und Bilder zu sichern - mit wechselndem Erfolg. Schon wenige Monate nach dem Einstellen der Dampflokfahrten zischten die Schneidbrenner, wurde abgebrochen; verschrottet, verbrannt. Überall ein Bild der Auflösung, der Lokschuppen nur noch eine leere Halle.

Ungefähr zweimal jährlich reisten die Bahn-Rechercheure nach Ottbergen. Zum wachsenden Bildarchiv kamen Tonbandaufnahmen. Über 18 Stunden allein von Gesprächen mit Eisenbahnern und Bürgern. Doch es gab auch bittere Erfahrungen. Etwa die: Als die Brüder Huguenin im Mai 1977 in »ihrem« Dorf ankamen, erfuhren sie, daß zwei Wochen zuvor bei der Dienststellen-Auflösung das Archiv des Betriebswerks »feierlich verbrannt« worden war. Noch schlimmer: irgendjemand hatte die über Jahre im Betriebsgebäude vorhandene Dunkelkammer einer früheren Eisenbahner-Fotogruppe »aufgeräumt«. Dabei wanderten sämtliche Negative ins Feuer am Kohlebansen.

Vielleicht schwang bei diesem Tun der Eisenbahner auch Enttäuschung mit, und Resignation darüber, daß - entgegen einer ursprünglichen Bahn-Zusage der Dampflokbetrieb mit einem Schlag beendet wurde. Zunächst war versichert worden, zwölf der gewaltigen »44er« sollten im Sonderdienst weiter betriebsbereit bleiben.

Stattdessen kam die völlige Zerstörung, das Ende eines rund hundert Jahre langen Kapitels, in dem Ottbergen vor allem ein Eisenbahner-Dorf gewesen war. Die Männer, die wenige Tage zuvor noch zum Dienstbeginn und Feierabend ihre Loks liebevoll gepflegt und geputzt hatten, so, wie sie es seit Jahrzehnten taten, mußten nun eben diese Maschinen eigenhändig zerlegen.

Auch diesem Finale haben die beiden Schweizer ein Kapitel gewidmet, denn: »Man soll wissen, was sich abgespielt hat; der kommenden Generation wird es überlassen sein, zu urteilen ...«

Karl-Hermann Huhn in »Hessische / Niedersächsische Allgemeine« (HNA) vom 26. April 1986 (Nr. 97). Um einige Fotos ergänzt, nahm diese Besprechung in der Rubrik »Bunte Welt« eine ganze Seite ein.

Bw Ottbergen. Aus: Jahrbuch für Eisenbahnliteratur 1984, Seite 47

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